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Im Fokus: Antibiotika


1. Geschichte

Das 1910 von Paul Ehrlich eingeführte Arsphenamin wird oft als das zuerst entdeckte Antibiotikum angesehen. Dessen Wirkungsspektrum war auf Spirochäten begrenzt, was erstmals eine Therapie der damals verbreiteten Syphilis ermöglichte. Die antibiotische Wirkung von Penicillin entdeckte Alexander Fleming 1928 zufällig im Labor: Penicillium hatte in einer Staphylokokken- Kultur eine wachstumshemmende Wirkung entfaltet. 1940 gelang es Ernst B. Chain und Howard Florey, Penicillin in reiner Form und größerer Menge herzustellen; der erste Patient wurde 1941 behandelt.


2.Verbrauch immens gestiegen

Der weltweite Antibiotikaverbrauch ist von 2000 bis 2015 um rund 65 Prozent gestiegen; bis 2030 könnte er um bis zu 200 Prozent steigen. Das zeigt eine Hochrechnung des US-Forschungszentrums Center for Disease Dynamics, Economics 5 1 Im Fokus: Antibiotika 4 3 2 Antibiotika IM FOKUS & Policy. Der Gesamtkonsum stieg von 21,1 Milliarden Tagesdosen im Jahr 2000 auf 34,8 Milliarden im Jahr 2015. In Österreich ist der Verbrauch um 15 Prozent gestiegen.


3.Resistenzen nehmen zu

Die EU warnt vermehrt vor einer Zunahme von multiresistenten Erregern. So ist bei E. coli die Häufigkeit von Resistenzen gegen Cephalosporine der dritten Generation, gegen Fluorchinolone und Aminoglykoside zwischen 2013 und 2016 gestiegen. Acinetobacter wiederum weist einen hohen Anteil an kombinierten Resistenzen gegen Fluorchinolone, Aminoglykoside und Carbapeneme auf. Bei Klebsiella pneumoniae und Staphylococcus aureus hingegen hat sich die Lage stabilisiert. Generell gebe es laut WHO zu wenige Therapieoptionen bei Infektionen mit resistenten Keimen.


4.Kürzere Einnahme wirksam
Eine kürzere Antibiotika-Therapie könnte bei vielen Infektionen ebenso wirksam sein wie eine längere Einnahme. Das stellte die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) kürzlich fest. Dadurch würden auch weniger resistente Erreger entstehen.


5. Neuer Wirkstoff
Forscher der Uni Graz haben mit niederländischen Kollegen einen Wirkstoff gefunden, der multiresistente Keime abtötet, ohne eine Resistenz hervorzurufen. Er basiert auf natürlich – etwa in Immunzellen – vorkommenden antibakteriellen Peptiden. So hatte eine Salbe, die ein synthetisches Derivat eines bestimmten Peptids (SAAP- 148) enthielt, MRSA und Acinetobacter baumannii in menschlichen und tierischen Gewebeproben „vollständig vernichtet“.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 7 / 10.04.2018