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ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 7 - 10.04.2018

Standpunkt - Vize-Präs. Harald Mayer


Politik schaut zu

© Gregor Zeitler

Es klingt nach einem Erziehungsproblem. Wer in Österreich krank wird, entscheidet selbst, wo er Hilfe holt. In der Stadt ist das immer häufiger die Spitalsambulanz. Und die ist überfüllt. Seit Jahren weisen wir wiederholt darauf hin, dass der Zustrom in die Ambulanzen aus der fehlenden Lenkung der Patienten resultiert. Ein Lenkungseffekt kann aber nur dann erzielt werden, wenn die Leistungen, mit der die Ambulanzen belastet werden, vom niedergelassenen Bereich auch tatsächlich aufgefangen werden können. Und dafür ist die Prognose düster. Denn die Statistik zeigt: In der Niederlassung fehlen uns mit Jahresbeginn 108 Fachärzte und Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag. Das spüren die Spitäler.

Wenn Spitalsärzte weiterhin für diese Versorgungslücke herhalten sollen, dann müssen sie für Leistungen, die sie subsidiär erbringen, auch honoriert werden – vor allem was Nachtdienste angeht.

Österreich ist ein Land, wo viele Gesundheitsleistungen im Krankenhaus in Anspruch genommen werden – und diese werden nicht weniger. Mit den Akut-Ambulanzen übernehmen Spitäler in immer mehr Bundesländern Aufgaben des niedergelassenen Bereiches, vor allem zu den Randzeiten.

Patienten, die sich im solidarisch organisierten Gesundheitssystem bewegen, haben sich an Spielregeln zu halten. Die erste Anlaufstelle sollte immer der Vertrauensarzt sein, der dann je nach Krankheitsbild weiterüberweisen kann. Hält sich der Patient nicht an diesen Weg, sollten Steuerungsinstrumente überlegt werden. Doch das ist unpopulär. Keine Regierung wird das gerne tun.

Wir Ärzte stehen grundsätzlich den verschiedenen Varianten von Selbstbehalten offen gegenüber und sind gesprächsbereit – an erster Stelle aber steht in jedem Fall die soziale Komponente, denn unser Gesundheitssystem muss mit all seinen Leistungen für alle zugänglich sein und es darf zu keiner Zwei-Klassen-Medizin kommen. Was aber kommen muss, ist eine bessere und strukturierte Steuerung der Patienten – ob mit oder ohne Selbstbehalte. Denn der derzeitige Trend der ungeregelten Patienten- Selbstzuweisung – besonders im städtischen Bereich – durch Umgehung der niedergelassenen Ärzte hinein in die Spitalsambulanzen mit jedem Wehwehchen zu jeder Tages- und Nachtzeit, führt zu einer unerträglichen Überlastung der dortigen Mitarbeiter und letztendlich zu unnötigen Kosten für das Gesundheitssystem.

Es braucht in jedem Fall Lösungen. Es muss in alle Richtungen gedacht werden dürfen. Die Politik muss nun endlich handeln. Darauf hätten wir schon oft genug hingewiesen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 7 / 10.04.2018