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Facharzt-Ausbildung: Bestnote in der Ausbildung


In der von der ÖÄK beauftragten Evaluierung 2018 wurden die psychiatrische Abteilung am Sozialmedizinischen Zentrum Ost – Donauspital (SMZ Ost) und die Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Landeskrankenhauses Steyr (LKH Steyr) von den Assistenzärzten am besten bewertet.

Sophie Niedenzu

Assistenzärzte, die sehr früh die Patientenbetreuung unter Supervision durch erfahrene Fach- und Oberärzte in Zusammenarbeit mit den Pflegekräften übernehmen, eine enge Teamarbeit und sehr flache Hierarchien - das sei das Erfolgskonzept für eine qualitätsvolle Facharztausbildung, ist Univ. Prof. Peter Fischer, Leiter der psychiatrischen Abteilung am SMZ Ost, überzeugt. Die durch die BKAÄ in Auftrag gegebene Evaluierung der Facharztausbildung 2018 gibt ihm Recht: Seine Abteilung teilte sich gemeinsam mit der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am LKH Steyr in der Qualität der fachärztlichen Ausbildung die Gesamtnote von 1,0. Beide Abteilungen haben eines gemein: Alle Ärztinnen und Ärzte beteiligen sich an der Ausbildung der Assistenzärzte.

Nachhaltige Patientenversorgung

Für die Psychiatrie relevant sei eine Betreuungskontinuität der Patienten, die über einen längeren Zeitraum versorgt werden. „Das Wichtigste neben einer guten, nachhaltigen Patientenversorgung ist aber auch das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Mitarbeiter“, sagt Fischer. Dazu gehöre ein ständig offenes Ohr für deren Anliegen, positives Feedback, das Ansprechen von Konflikten in den teaminternen Morgenbesprechungen sowie eine gut strukturierte und vorausschauend geplante Abteilung. So werde jedes Jahr im Team darüber abgestimmt, jedem Mitarbeiter drei Wochen durchgehend Sommerurlaub zu ermöglichen. Von den 22 Ärztinnen und Ärzten sind derzeit neun in Ausbildung.Da die neue Ärzte-Ausbildungsordnung von 2015 vorsieht, dass auszubildende Allgemeinmediziner drei Monate verpflichtend im Bereich Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin absolvieren, arbeiten in der Abteilung außerdem noch zwei Ärzte in allgemeinmedizinischer Ausbildung. Was die Fortbildung betrifft, fänden wöchentlich Expertenvorträge statt, zusätzlich erfolge einmal im Monat eine Lehrexploration – beides in Kooperation mit Ärzten außerhalb der Abteilung. Ein regelmäßiger Journal Club rundet das Fortbildungsangebot ab. „Das Wichtigste ist, dass sich jeder Mitarbeiter der Ausbildung annimmt“, sagt auch Priv. Doz. Achim von Goedecke, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am LKH Steyr. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung inkludiere neben einer guten Betreuung auch schriftliche Anleitungen, Checklisten und Workshops. Man versuche, dem Ausbildungskonzept zu folgen – ein nicht immer einfaches Ziel, da einzelne Ausbildungspunkte, wie die Theoriebesprechung, in der Praxis zeitlich nicht immer umsetzbar seien. „Wir Anästhesisten sind von den OP-Terminen abhängig und in unserer Organisation daher bis zu einem gewissen Grad fremdbestimmt“, sagt er. Von 38 Ärztinnen und Ärzten befinden sich elf in Ausbildung, fünf davon in Teilzeit. „In einem Fach, in dem der Frauenanteil 50 Prozent beträgt, kann man nicht erwarten, dass jeder seine Ausbildung in Vollzeit absolviert, daher versuche ich, mit flexiblen Teilzeitmodellen auf aktuelle Bedürfnisse einzugehen“, sagt von Goedecke. Das betrifft nicht nur Frauen: Zwei der fünf Mitarbeiter in Teilzeit sind Männer.

Kritische Situationen meistern lernen

Neben den flexiblen Arbeitszeiten und einer guten Betreuung sei ein weiterer Bestandteil in der Facharztausbildung, kritische Situationen unter Stress in einer geschützten Umgebung zu meistern. Das werde während der Ausbildungszeit über insgesamt acht ganztätige Simulationstrainings ermöglicht, die bei Assistenzärzten besonders beliebt seien, so von Goedecke. Seit kurzem können Ärztinnen und Ärzte auch an einem Kunststoff-Torso die Spinal- und Periduralanästhesie sowie das Legen eines Zentralvenenkatheters ultraschallgezielt üben. Ziel sei eine stete Verbesserung der Ausbildungsqualität, daher werde auch das Feedback aller - inklusive Famulanten, KPJ-Studenten und Turnusärzte - eingeholt. „Jeder, der meine Abteilung durchläuft, hat ein Einstellungs- und ein Verabschiedungsgespräch, in dem offen geredet wird“, resümiert von Goedecke



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2019