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Kurz und informativ: Politische Kurzmeldungen


Drogenbericht: Alkohol bleibt ein Problem

Der „Epidemiologiebericht Sucht 2018“ zeigt, dass sich die Drogenproblematik vor allem im Hinblick auf illegale Suchtmittel insgesamt verbessert: Der Opioidkonsum etwa stagniert und geht sogar zurück. Gleichzeitig wird Alkohol immer mehr zum Problem. Laut dem von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellten Bericht konsumiert etwa jeder siebente Österreicher Alkohol in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß. Dabei ist der Anteil unter Männern doppelt so hoch wie unter Frauen. Die explizit mit Alkohol assoziierten Todesfälle sind seit den 1990er-Jahren zwar rückläufig. De facto dürfte die Zahl der Todesfälle, bei denen exzessiver Alkohol eine Rolle gespielt hat, jedoch höher sein. Der Tabakkonsum hat sich deutlich verringert, liegt aber immer noch über dem europäischen Durchschnitt – und zwar sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen, besonders bei Frauen.


Missbrauch von Opioiden nimmt zu

Zwischen 2011 und 2016 ist die Zahl der Todesfälle durch den Missbrauch von Opioiden in einigen europäischen Staaten um 20 Prozent gestiegen. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Betroffen sind demnach vor allem Schweden, Norwegen, Irland, England und Wales. Hintergrund ist der zunehmende illegale Handel mit Opioiden. In die Studie sind Daten aus 25 der 35 OECD-Länder, darunter auch Österreich, eingeflossen. Unter allen analysierten Staaten gab es in den USA und Kanada die meisten Todesfälle durch Opioid-Missbrauch; Österreich liegt im Mittelfeld.


Island: Abtreibungen länger erlaubt

Nach monatelangen, intensiven Debatten hat das Parlament in Reykjavik kürzlich entschieden, dass Abtreibungen künftig bis zur 22. Schwangerschaftswoche erlaubt sind – auch ohne die Zustimmung eines medizinischen Ausschusses. Bisher waren Abtreibungen ohne eine solche Zustimmung schon nach der 16. Woche verboten.


Arznei-Werbespots in den USA: künftig mit Preis

In den USA muss in TV-Werbespots für Arzneien, die mehr als 35 Dollar pro Behandlung oder Monat kosten, künftig auch der Preis des Medikaments angegeben werden. Die US-amerikanische Regierung möchte damit dazu beitragen, die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente zu senken. Viele Präparate sind in den Nachbarländern Mexiko und Kanada deutlich billiger. Der Preis für die zehn am meisten beworbenen Medikamente in den USA liegt zwischen 488 und knapp 17.000 Dollar pro Monat.


Griechenland: Krankenhauspersonal streikt

Aus Protest gegen Lohnkürzungen und wegen eines akuten Personalmangels haben kürzlich in Griechenland die Pflegekräfte der staatlichen Krankenhäuser gestreikt. Nur Notfälle wurden behandelt. Die Gewerkschaft kritisierte, dass die Ausgaben des Haushaltes für die Gesundheit wegen der schweren Finanzkrise dramatisch gesunken seien. Nach Angaben des Athener Ärzteverbandes sind seit 2010 rund 18.000 junge griechische Ärzte und Tausende Krankenpfleger ausgewandert.


ÖÄK bedauert Ablehnung der Impfpflicht

Ohne Regulatorien werde Österreich die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Masern-Durchimpfungsrate von 95 Prozent nicht erreichen, erklärte Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der ÖÄK. Zuvor hatten sich Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein und die Landesgesundheitsreferenten gegen eine Masern-Impfpflicht ausgesprochen. Schmitzberger betonte, dass sich die ÖÄK weiter für die Einführung einer generellen Impfpflicht stark machen werde. Diese soll alle im Impfplan empfohlenen Impfungen – besonders die Gratis-Kinderimpfungen – umfassen.


ÖÄK kritisiert hohe Rücklagen der Krankenkassen

„Krankenkassen sind nicht dazu da, Versicherungsgelder zu horten und noch höhere Rücklagen zu bilden, sondern sollen sicherstellen, dass allen Patienten der Zugang zu Spitzenmedizin offen steht“, kritisierte ÖÄK-Präsident Univ. Prof. Thomas Szekeres die hohe Rücklagenbildung der Krankenkassen. Für das Jahr 2018 weisen die Krankenkassen ein Plus von 111 Millionen Euro aus. Das ist fast dreimal so viel wie die erst vor einem halben Jahr prognostizierten 40 Millionen Euro. Angesichts des Ärztemangels und des dringenden Investitionsbedarfs in allen Bereichen des öffentlichen Gesundheitswesens wäre es laut Szekeres sinnvoller, diese Gelder ins System fließen zu lassen – daran ändere auch das für 2019 erwartete hohe Defizit der Krankenkassen nichts.


Österreich: aktuelle Masern-Bilanz

In Österreich wurden in diesem Jahr (Stand: 15. Mai) bereits 106 Masern-Fälle gemeldet. Betroffen waren alle Bundesländer außer dem Burgenland. Nach den ersten Masern-Fällen in Salzburg sind in letzter Zeit in Kärnten 24 Personen nachweislich an Masern erkrankt. Auch in Wien kamen Anfang Mai innerhalb einer Woche sechs Fälle hinzu. In Niederösterreich wurden zuletzt fünf voneinander unabhängige Fälle registriert.


Gesundheitsberufe: Registrierung bis 30. Juni

Die Frist für Angehörige bestimmter Pflege- und Gesundheitsberufe, sich im Gesundheitsberufe-Register einzutragen, läuft noch bis 30. Juni 2019. Geschieht dies nicht, müssen Dienstgeber und Berufsangehörige mit Verwaltungsstrafen bis hin zum Verlust der Berufsberechtigung rechnen. Betroffen sind Personen, die bereits beim Start des Registers am 1. Juli 2018 in einem Gesundheitsberuf tätig waren. Für unselbstständig Beschäftigte ist die Arbeiterkammer, für Selbstständige die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) zuständig. Registriert werden diplomierte Pfleger, Pflege- und Pflegefachassistenten, Physio- und Ergotherapeuten, Diätologen, Logopäden, Orthoptisten, Radiotechnologen und biomedizinische Analytiker.


Rückläufige Geburtenrate in den USA

In den USA ist die Zahl der Geburten auf den niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren gesunken. Das gab die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control) bekannt. Mit 3.788.235 Kindern kamen 2018 um zwei Prozent weniger Kinder zur Welt als 2017. Die Geburtenrate pro Frau ist damit in den USA im Jahr 2017 auf das Rekordtief von 1,7 gesunken – ebenfalls zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: In Deutschland lag die Geburtenrate laut den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts im Jahr 2017 bei 1,57.


WHO sieht Fortschritte bei Gesundheitsversorgung

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat kürzlich im Rahmen der 72. Jahresversammlung der WHO die „großen Fortschritte“ im Hinblick auf die allgemeine Gesundheitsversorgung gelobt. Besonders Länder wie Kenia, Indien, Südafrika, Ägypten, El Salvador, Griechenland und die Philippinen hätten durch ihre Anstrengungen der Bevölkerung eine besser zugängliche Gesundheitsversorgung ermöglicht. Dennoch: Weltweit würden rund 18 Millionen Fachkräfte im Gesundheitswesen fehlen, um die angestrebten Ziele bis 2030 zu erreichen. „Es ist unerlässlich, dass alle Länder in entsprechende Arbeitsplätze investieren, um diese Lücke zu schließen und Gesundheit für alle zu gewährleisten.“ Laut WHO hat noch immer mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsversorgung.


G7-Staaten wollen Aids und Malaria eindämmen

Die Staaten der G7-Gruppe wollen den Ausbruch und die Verbreitung von Krankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria eindämmen. „Die Bekämpfung und die Ausrottung von HIV und von anderen Infektionskrankheiten ist unser gemeinsames Ziel“, so der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn. Jährlich seien 2,7 Millionen Todesfälle auf Aids, Tuberkulose und Malaria zurückzuführen. Alle Beteiligten müssten handeln, um diese Krankheiten bis 2030 auszurotten. Zu den G7-Ländern gehören Deutschland, Frankreich, die USA, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan.


Ärztekammer Wien: Impfpflicht für Gesundheitspersonal gefordert


Die Wiener Ärztekammer fordert, dass für das gesamte Gesundheitspersonal in Österreichs Spitälern Impfungen künftig angeboten und durch den Arbeitgeber bezahlt werden sollen – einschließlich von Titerbestimmungen im Falle eines unklaren Impfstatus. Außerdem sollen in Krankenanstalten künftig nur noch Personen aufgenommen werden dürfen, die einen vollständigen Impfstatus entsprechend den im Österreichischen Impfplan empfohlenen Impfungen nachweisen können. Durch eine Verordnung der Ärztekammer sollten auch freiberuflich tätige Ärzte sowie das Personal in Ordinationen zu Impfungen verpflichtet werden. Die Verpflichtung soll ab 2020 verankert werden.


Resolution zu „Don’t Smoke“ beschlossen

In einer Resolution fordert der Vorstand der Ärztekammer für Wien von den im Parlament vertretenen Parteien, das Thema Nichtraucherschutz rasch wieder auf die Tagesordnung des Nationalrates noch vor der Neuwahl zu setzen. Damit erhofft man sich die unverzügliche Umsetzung eines umfassenden Nichtraucherschutzes in der österreichischen Gastronomie – entsprechend der bereits 2015 beschlossenen Novelle zum Tabakgesetz. So würde auch dem Ansinnen jener 881.692 Österreicher entsprochen werden, die im vergangenen Jahr das Volksbegehren „Don‘t Smoke“ unterschrieben haben, so Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Begründet wurde der Beschluss mit dem „Ausscheiden des Vizekanzlers der Republik Österreichs, der sich stets vehement gegen die Einführung eines absoluten Rauchverbots in Österreichs Gastronomie ausgesprochen und damit alle diesbezüglichen medizinischen und gesellschaftspolitischen Argumente konsequent negiert hat“. Szekeres verweist darauf, dass ein Drittel aller Krebserkrankungen auf Rauchen zurückzuführen ist. Generelle Nichtraucherschutzbestimmungen in anderen EU-Ländern hätten gezeigt, dass damit Herzinfarkte, Atemwegserkrankungen, Angina pectoris sowie die Frühgeburtenrate und die Anzahl der zu kleinen Neugeborenen nachhaltig reduziert werden konnten.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2019