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Standpunkt Vize-Präs. Harald Mayer


Stillstand verhindern, Qualität verbessern

© Gregor Zeitler

Die jüngsten politischen Ereignisse geben Anlass zur Sorge. Das österreichische Gesundheitssystem kann es sich nicht leisten, im Stillstand zu verharren. Die gute Versorgungsqualität ist in Gefahr. Der Ärztemangel erfordert rasche und langfristige politische Lösungen. Ärztliche Ressourcen gezielt einzusetzen wird in diesen Zeiten immer wichtiger, um eine wachsende Arbeitsverdichtung in den Spitälern zu stoppen. Die Lösung für eine bestmögliche Patientenversorgung sind nicht immer Ambulanzen, die sowohl eine Kostensteigerung als auch steigende Patientenfälle verzeichnen. Im Gegenteil: Ambulanzen und damit auch die Spitalsärzte müssen endlich entlastet und hausärztliche Bereitschaftsdienste verbessert werden. Damit werden auch die Wartezeiten für Patienten verringert. In den Ambulanzen sollen nur tatsächlich jene Patientenfälle versorgt werden, die im Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz (KA-KuG) beschrieben sind.

Hinzu kommt, dass die derzeitige Arbeitsverdichtung im Spital die Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte erschwert. Die Zeit ist knapp und damit die Weitergabe von ausbildungsrelevanten Inhalten in der medizinischen Praxis auf Top-Niveau in Gefahr. Die unschätzbare Menge an Know-how und Erfahrung droht durch die Pensionswelle weggespült zu werden. Eine qualitativ hohe Ausbildung ist wichtig und ist gesetzlich geregelt – Stichworte Ausbildungsplan und Ausbildungsverantwortliche – doch liegen bekanntlich Welten zwischen Theorie und Praxis. Es gibt Gründe dafür, dass fast 40 Prozent aller Medizinabsolventen an den heimischen Universitäten später nicht in Österreich tätig sind.

Wir wollen wissen, wie es unseren Jungärztinnen und Jungärzten in Österreich in der Ausbildung tatsächlich ergeht. Wo es Probleme gibt, was in der Ausbildung verbessert werden kann, damit wir als Ärztekammer Maßnahmen setzen können, um die Ausbildungsqualität zu verbessern. Deshalb rufen wir regelmäßig zu Bewertung der Ausbildungseinrichtungen auf. Während die Basisausbildung kontinuierlich und die Allgemeinmedizin nach Abschluss einer Abteilung bewertet werden, erfolgt die Evaluierung der Facharztausbildung einmal jährlich.

Die nächste Evaluierungsphase für Fachärzte in Ausbildung läuft bis Ende Juni. Beteiligen Sie sich an der laufenden Evaluierung, teilen Sie Ihr Feedback mit uns. Damit tragen Sie wesentlich zur Qualität in der Arztausbildung bei.


Dr. Harald Mayer
3. Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 11 / 10.06.2019