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ArchivÖÄZ 2019ÖÄZ 12 - 25.06.2019

Kurz und informativ: Medizinische Kurzmeldungen


T-Killerzellen verursachen Kachexie

T-Killerzellen sind für Kachexie bei Mäusen, die beispielsweise an Aids, Malaria und Tbc leiden, verantwortlich – das hat das Forscherteam um Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaft (ÖAW) in Wien im Tiermodell herausgefunden. Die CD-8-T-Zellen erkennen zwar die Erreger dieser Infektionskrankheiten und bekämpfen ihn; gleichzeitig verursachen sie jedoch die Kachexie. Durch Signale von Typ I-Interferonen wird das Fettgewebe umgebaut und die Depots aufgelöst – und zwar nicht nur die Fettspeicherdepots, sondern auch jenes, das beispielsweise Augen und Nieren lagert und die Fußsohlen. Dieser Verlust kann durch Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. 
APA/Nature Immunology



Jedes siebente Baby zu leicht bei der Geburt

Weltweit ist jedes siebente Baby zu leicht bei der Geburt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Londoner Instituts für Hygiene und Tropenmedizin, des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF und der WHO. Im Jahr 2015 wogen mehr als 20 Millionen Neugeborene bei der Geburt weniger als 2.500 Gramm; drei Viertel der Babys wurde in Südasien und in afrikanischen Ländern südlich der Sahara geboren. Generell ist ein leichter Rückgang der weltweiten Häufigkeit von Babys mit einem niedrigen Geburtsgewicht von 17,5 Prozent im Jahr 2000 auf 14,6 Prozent im Jahr 2015 zu registrieren. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist der Anteil dieser Babys von 4,4 auf fünf Millionen gestiegen. Ausgewertet wurden die Daten von 281 Millionen Geburten. In den Industrieländern liegt der Anteil bei rund sieben Prozent. 
APA/The Lancet Global Health


97 Ansteckungen mit dem Puumalavirus hat es heuer bereits in Österreich gegeben; 86 davon in der Südsteiermark. Das LKH Graz warnt vor einer Infektion, die bei Kontakt mit den Ausscheidungen der Rötelmaus erfolgt. Bei der Reinigung von Kellern oder Dachböden wird Staub aufgewirbelt und das Virus verbreitet und eingeatmet. Die Infektion beginnt mit Grippe-artigen Symptomen und kann zu Nieren- und Lungenversagen führen. Infektiologen empfehlen, Oberflächen und Böden mit chlorhaltigen Lösungen zu besprühen.


PRC2 kontrolliert Stammzellen

Durch die Markierung von einzelnen Stammzellen bei Mäusen konnten Forscher der Universität Genf und der Universität Liege (Belgien) die Aktivität der Stammzellen beim Aufbau des Neocortex mitverfolgen. Es zeigte sich, dass Stammzellen mit anderen genetischen Programmen arbeiten und diese an die Tochter-Neuronen weitergeben. Verantwortlich ist der Proteinkomplex „Polycomb Repressive Complex 2“ (PRC2). Ein Team um Simon Hippenmeyer und Nicole Amberg vom Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg konnte die Aktivität dieses Komplexes unterbinden. Daraufhin geriet die Stammzell-Aktivität aus den Fugen.
APA/Science


Nachtarbeit: Chronotyp beeinflusst Beeinträchtigung

Für Morgenmenschen stellt Nachtarbeit eine größere Belastung dar als für Abendmenschen. Univ. Prof. Eva Schernhammer von der Abteilung für Epidemiologie des Zentrums für Public Health der MedUni Wien hat in einer Auswertung der „Nurses‘ Health Study II“ herausgefunden, dass künstliches Licht beim Arbeiten in der Nacht zu einer Art „Jetlag“ führt, weil der Tag-Nacht-Rhythmus gestört ist. Neu dabei ist, dass der individuelle Chronotyp das Ausmaß der Irritation beeinflusst und somit möglicherweise auch Rückschlüsse auf ein erhöhtes gesundheitliches Risiko zulässt. Die Forscher um Schernhammer haben dafür Datenmaterial von 130 Teilnehmerinnen verwendet.
MedUni Wien/Cancer, Epidemiology, Biomarkers and Prevention


Fertigprodukte verleiten zum Zugreifen

Beim Genuss von stark verarbeiteten Lebensmitteln wird im Vergleich zu unverarbeiteten Lebensmitteln mengenmäßig mehr konsumiert, wie US-amerikanische Forscher um Kevin Hall vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases herausgefunden haben. 20 gesunde Freiwillige lebten ein Monat lang im Labor; eine Gruppe erhielt jeden Tag drei Mahlzeiten plus Snacks aus hoch prozessierten Lebensmitteln. Die andere Gruppe erhielt ebenso viele Mahlzeiten – allerdings aus unverarbeiteten Lebensmitteln. Beide Gruppen erhielten jeden Tag die gleiche Menge an Kalorien sowie Kohlehydraten, Fetten, Zucker und Salz; nach zwei Wochen wurde getauscht. Ergebnis: Nach zwei Wochen Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln nahmen die Teilnehmer im Durchschnitt ein Kilogramm zu; bei nicht verarbeiteten Lebensmitteln nahmen sie ein Kilogramm ab. Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmer von hoch prozessierten Lebensmitteln 508 Kalorien pro Tag mehr zu sich. Es zeigte sich, dass Fertiggerichte schneller gegessen werden.
APA/Cell Metabolism


Gesunde Lebensmittel für Kinder: anbieten und erklären

Das Forscherteam um Jane Lanigan von der Washington State University in Vancouver (USA) konnte experimentell zeigen, dass Kinder durch das wiederholte Anbieten und die zusätzliche Mitteilung, welchen Nutzen ungeliebte Lebensmittel aufweisen, diese dennoch essen. Diese Nahrungsmittel wie grüner Paprika, Paradeiser, Linsen und Quinoa erhielten 87 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren über sechs Wochen hindurch an je zwei Tagen pro Woche. Eines der am beiden wenigsten konsumierten Lebensmittel wurde einfach immer wieder angeboten; das andere auch noch angepriesen. Beide Maßnahmen zeigten nach sechs Wochen die gleiche Wirkung. Nach einer Monat Pause wurde der Versuch wiederholt. Dabei aßen die Kinder etwa sieben Gramm mehr von dem zuvor noch ungeliebten Lebensmittel, das lediglich wiederholt serviert wurde. Wurde es auch noch zusätzlich angepriesen, waren es sogar 14 Gramm.
APA/Journal of Nutrition Education and Behavior


Mehr Mobilität bei Paraplegie

Wissenschafter der ETH Lausanne haben mit ihren Kollegen um Solaiman Shokur von der Alberto Santos Dumont Association for Research Support (AASDAP) in Brasilien eine neue, nicht-invasive Therapie für Paraplegiker entwickelt. Mittels EEG werden über eine Hirn-Computer-Schnittstelle die Hirnaktivitätsmuster gemessen, in Bewegungsabsichten übersetzt und durch Elektrostimulation die Muskelgruppen in den Beinen angeregt. Die Position der Beine im Raum nehmen die Patienten dabei über Vibrationselemente an den Armen wahr. Zwei Probanden konnten sich nach einiger Zeit mithilfe des Systems – gestützt durch eine Halterung und mit Hilfe eines Rollators – mit relativ großer Autonomie bewegen. Bei einem der Patienten besserte sich auch die motorische Funktion. 
APA/Scientific Reports


Erhöhter TyG-Index bei Übergewichtigen

In einer Langzeitstudie der Med Uni Innsbruck konnte kürzlich gezeigt werden, dass Insulinresistenz zwar nicht wie bislang angenommen die Entstehung von gynäkologischen Karzinomen fördert, jedoch jene von Gastrointestinal-Tumoren. 17 Jahre lang wurden 510.000 Personen aus Österreich, Schweden und Norwegen beobachtet, bis schließlich der „TyG-Index“ – ein Produkt aus Triglyzeriden und Glukose – erarbeitet werden konnte. Laut den Studienautoren Dipl. Ing. Josef Fritz und Univ. Prof. Hanno Ulmer vom Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der MedUni Innsbruck ist dieser Index bei Übergewichtigen deutlich erhöht. Die Wissenschafter vermuten, dass Insulin die Zellteilung anregt und so das Tumorwachstum begünstigt wird.
APA/International Journal of Epidemiology



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 12 / 25.06.2019