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Gewalt in Ordinationen erreicht inakzeptables Ausmaß

„In den niedergelassenen Arztpraxen haben Aggression und Gewaltbereitschaft inzwischen ein völlig inakzeptables Ausmaß erreicht“, sagt Johannes Steinhart, ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte. „Hier sind dringend wirksame Gegenmaßnahmen auf breiter gesellschaftlicher, politischer und rechtlicher Basis erforderlich.“ Bei einer Online-Blitz-Umfrage unter niedergelassenen Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag in Wien haben 97 Prozent der Teilnehmer in den vergangenen 24 Monaten von Kollegen gehört, dass diese von Patienten oder Angehörigen verbal bedroht wurden. 80 Prozent wurden in diesem Zeitraum selbst verbal bedroht, 10 Prozent selbst körperlich bedroht. „Besonders wichtig ist hier die Prävention“, sagt Steinhart. „Wir haben zunächst einmal in Wien für niedergelassene Ärzte und ihren Mitarbeiter spezielle Workshops organisiert. Diese sind völlig ausgebucht und sehr beliebt, weshalb wir ständig weitere anbieten.“


ÖGK-Fehleinschätzung nicht zu Lasten der Versorgung

Auch wenn die Kosten der Sozialversicherungsreform wesentlich höher sind als von der alten Bundesregierung angegeben, dürfe es keine Verschlechterung in der Versorgung geben, fordert ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart: „Es ist verständlich, dass es anfangs finanziellen Bedarf gibt, aber nicht in dieser gewaltigen Dimension. Noch dazu, wo es derzeit ja funktionierende Strukturen gibt, auf die man zurückgreifen könnte und die man nicht aus vordergründig parteipolitischen Gründen zerstören sollte.“ Außerdem sollte man zugunsten eines zentralistischen Kassenbürokratie-Giganten nicht bewährte regionale Steuerungsmechanismen aus der Hand geben. „Im Mittelpunkt muss immer die Versorgung und Sicherheit von Patienten stehen, und diese darf nicht gefährdet werden“, so Steinhart. Die angekündigte „Patientenmilliarde“ müsse also jedenfalls in die Gesundheitsversorgung investiert werden.


Hoher Stellenwert der Hausärzte

Aus dem Ergebnis einer MedUni Wien-Studie, wonach im Jahr 2014 18,4 Prozent der Patienten ohne vorangegangenen Besuch eines Hausarztes einen Facharzt aufgesucht haben, und im Jahr 2006 nur 15,1 Prozent, wurde in manchen Medien auf eine abnehmende Attraktivität von Hausärzten geschlossen. „In Umfragen zur Patientenzufriedenheit haben sich rund 95 Prozent der Menschen mit ihrem Hausarzt sehr zufrieden oder zufrieden gezeigt“, stellt Edgar Wutscher, Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin (BSAM) der ÖÄK richtig. Natürlich seien seit der Einführung der e-Card im Jahr 2005 manche Überweisungen durch einen Hausarzt an einen Facharzt hinfällig geworden, so Wutscher: „Das hat aber mit einer angeblichen abnehmenden Attraktivität von Hausärzten und ihren Leistungen überhaupt nichts zu tun.“ Dem Trend, dass Patienten direkt in eine Spitalsambulanz gehen, müsse die Gesundheitspolitik begegnen, indem sie den niedergelassenen kassenärztlichen Bereich konsequent ausbaut.


ÖÄK fordert ELGA-Reparatur

Angesichts der jüngsten gehäuften Ausfälle bei der e-Medikation fordert Johannes Steinhart, ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann niedergelassene Ärzte, endlich Taten. „Auf dem Tisch liegen 47 klar definierte Punkte der e-Befund-Taskforce. Diese müssen sofort umgesetzt werden.“ Im Zentrum sieht Steinhart die Patient Summary, die alle handlungs- und haftungsrelevanten Daten zusammenfasst. „Ohne dieses absolute Muss kann man nicht von Usability sprechen“, sagt Steinhart. Seine Conclusio: „ELGA muss so gut werden, dass Ärzte freiwillig mitmachen wollen.“ In Zeiten der Zentralisierung stelle sich auch die Frage, ob sich Österreich mit ELGA GmbH, SVC und ITSV weiter gleich drei staatliche IT-Firmen leisten wolle, die an der Entwicklung von e-Projekten im Gesundheitswesen arbeiten. „Hier wäre eine Fusionierung einmal angebracht“, sprach sich Steinhart für eine Strukturbereinigung auf IT-Seite aus.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 15-16 / 15.08.2019