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Standpunkt Vize-Präs. Harald Mayer


Wartungsarbeiten

© Gregor Zeitler

Niemand wartet gerne. Weder in Spitälern, noch in Ordinationen oder auch auf einen Ausbildungsplatz. Dennoch vergehen im Schnitt 80 Tage zwischen Promotion und Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit in Österreich. Es muss das Angebot vorhanden sein, dass Mediziner rasch mit ihrer Arztausbildung beginnen können. Ohne Stehzeiten. Denn mit diesen riskieren wir vieles: Vermehrte Abwanderungen ins konkurrierende Ausland, verzögerte Weitergabe von wertvollem Wissen und Erfahrung älterer Spitalsärzte, deren Pensionierung näher rückt, Personalnotstand in Spitälern. Jeder Tag, den ein Jungmediziner auf seinen Basisausbildungsplatz wartet, ist einer zu viel. Wir benötigen so rasch wie möglich gut ausgebildeten Nachwuchs. Um das zu erreichen, ist es unerlässlich, dass mehr Basisausbildungsstellen geschaffen werden. Damit kann dem künstlich hergestellten Engpass in der Arztausbildung ein Ende gesetzt werden. Diese Stellen sollen nicht allein von Dienstposten abhängig sein, sondern sich am Bedarf der Bevölkerung orientieren.

Das ist eine unserer Forderungen als Österreichische Ärztekammer, die wir in einem umfassenden Maßnahmenkatalog an politische Entscheidungsträger, Gesundheitsreferenten und Parteien versendet haben. Wir wissen noch nicht, wer in Zukunft Österreich regieren wird. Aber wir wissen: Es gibt einen dringenden Handlungsbedarf. Nicht nur in der Ausbildung, ebenso in Hinblick auf eine gezielte Patientensteuerung, eine Entlastung der Spitalsambulanzen und eine ausreichende Personalplanung. Natürlich wäre es für die Politik einfacher, würden Ärzte wie früher 60 Stunden pro Woche arbeiten und permanent operieren – das ist aber nicht im Sinne eines nachhaltigen Systems mit einer bestmöglichen Patientenversorgung. Und Patientenschutz schließt eine Fließbandabfertigung aus. Daher muss das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) eingehalten werden – ohne weitere Änderungsdiskussionen.

Außerdem müssen sowohl die Ärzteschaft als auch andere Gesundheitsberufe vor Gewalt geschützt werden. Sei es durch bauliche Maßnahmen, einem verschärften Strafrecht oder auch Sicherheitspersonal in den Spitälern. Wie viel physischer und psychischer Gewalt Spitalsärzte ausgesetzt sind, das erfragen wir in der bis 20. September laufenden Spitalsärztebefragung.

Es gibt vieles zu tun für die neue Regierung. Mögen rasch notwendige Wartungsarbeiten umgesetzt werden. Wir müssen unser exzellentes Gesundheitssystem beibehalten.


Dr. Harald Mayer
3. Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 17 / 10.09.2019