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ArchivÖÄZ 2019ÖÄZ 20 - 25.10.2019

USA: Verbot von E-Zigaretten geplant


In den USA wurden seit März dieses Jahres landesweit knapp 1.300 Fälle von schweren Lungenerkrankungen gemeldet. Mindestens 26 Patienten starben. Die Betroffenen haben allesamt E-Zigaretten geraucht, die vor allem unter US-amerikanischen Jugendlichen extrem beliebt sind. Nun zieht die Regierung die Reißleine: Sie will aromatisierte Dampf-Zigaretten vom Markt nehmen.

Nora Schmitt-Sausen

Die E-Zigarette ist in den USA nicht erst seit den Vorfällen vom diesjährigen Sommer schwer in Verruf geraten. Die „epidemische“ Verbreitung der Dampfzigarette unter Amerikas Jugendlichen – aktuellen Zahlen zufolge dampft ein Viertel aller High School-Schüler – alarmiert Gesundheitsexperten, Behörden und die US-Regierung. Letztere will aufgrund der dramatischen Entwicklungen dieses Sommers nun reagieren: Mitte September kündigte die Regierung von Präsident Donald Trump an, daran zu arbeiten, dass nahezu sämtliche aromatisierten E-Zigaretten vom Markt genommen werden. „Wir können nicht zulassen, dass Menschen krank werden. Und wir können es nicht hinnehmen, dass unsere Kinder so betroffen sind“, sagte Trump im Weißen Haus.

Nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsministers Alex M. Azar bereitet die Food and Drug Administration (FDA) derzeit ein umfassendes Verbot von aromatisierten E-Zigaretten vor. Dabei geht es nicht nur um die bei Jugendlichen so beliebten Frucht-Geschmacksrichtungen sondern auch um Minze und Menthol. Diese sprechen zwar eher Erwachsene an; sie wurden in der Vergangenheit aber auch zunehmend von jungen Rauchern konsumiert. Vom Verbot ausgeschlossen bleiben lediglich Produkte mit Tabak-Geschmack.

Die Ereignisse in den vergangenen Wochen waren alarmierend: Über den Sommer meldeten immer mehr US-Bundesstaaten Fälle von mysteriösen Lungenerkrankungen. Die Betroffenen - allesamt Nutzer von E-Zigaretten - wurden mit massiven Symptomen in Krankenhäuser eingeliefert. Sie litten unter schweren Atemwegsproblemen, Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und Magen-Darm-Beschwerden. Die Lungen der Betroffenen wiesen Anzeichen von Entzündungen auf – nicht durch eine Infektion, sondern durch eine toxische Schädigung bedingt.

Aus den bislang untersuchten Fällen geht hervor, dass es sich bei vielen der Betroffenen um Teenager handelt. Bis Mitte September hatten insgesamt 36 der 50 US-Bundesstaaten Fälle der mysteriösen Krankheit gemeldet; sechs sind gestorben. Den Angaben der Behörden zufolge waren die jüngsten von ihnen Mitte 30; einige von ihnen hatten bereits zuvor Schäden an der Lunge oder litten an chronischen Erkrankungen.

Ursache noch ungeklärt


Die Frage, wie es zu den Schäden an der Lunge kommt, ist nach wie vor ungeklärt. Der Verdacht geht in mehrere Richtungen: Viele der Betroffenen nutzten E-Zigaretten, um Öle zu inhalieren, die Tetrahydrocannabilol (THC) enthalten, ein Inhaltsstoff von Cannabis. In mehreren der genutzten Produkte wurde als übereinstimmendes Merkmal das synthetische Vitamin E-Acetat identifiziert. Auch gibt es den Verdacht, dass Produkte vom Schwarzmarkt die Krankheitsfälle verursachten. Doch: Die Untersuchungen laufen derzeit noch. Denn eine Gemeinsamkeit oder eine Substanz, die bei allen Fällen vorkommt, wurde bislang noch nicht gefunden. Fest steht lediglich: Die Betroffenen haben unterschiedliche Produkte und Fabrikate von unterschiedlichen Herstellern verwendet.

Die Schwere der auftretenden Fälle und die unklare Ursache hatten bereits mehrere Behörden und Ärztevereinigungen dazu veranlasst, offene Warnungen vor dem Konsum von E-Zigaretten auszusprechen. Nicht nur Nichtraucher und Jugendliche werden seit einigen Tagen von offiziellen Stellen eindringlich vor dem Konsum von E-Zigaretten gewarnt. Selbst Rauchern der klassischen Nikotin-Zigarette, die aufhören möchten, wird derzeit vom Griff zur E-Zigarette abgeraten.

Über Gefahren aufklären

Die American Medical Association rief Amerikas Ärzte dazu auf, ihre Patienten über die Gefahren von E-Zigaretten aufzuklären. Als mögliche Warnsignale für E-Zigarettenraucher gelten Husten, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Vertreter verschiedener Medizinorganisationen applaudierten der Regierung Trump zur Entscheidung, im Zuge der mysteriösen Lungenerkrankungen endlich ein weitreichendes Verbot von E-Zigaretten durchzusetzen. Für viele Gesundheitsexperten war diese Entscheidung überfällig. Die noch wenig erforschten E-Zigaretten seien in den USA bereits viel zu lange weitestgehend unreguliert auf dem Markt gewesen, so der Tenor der Kritiker.


Fünf Millionen Jugendliche rauchen E-Zigaretten

Die dramatische Verbreitung von E-Zigaretten unter US-amerikanischen Jugendlichen sorgt seit Monaten für viele Negativ-Schlagzeilen. Public Health-Experten, Eltern, Lehrer und Juristen üben seit geraumer Zeit erheblichen Druck auf die US-amerikanische Regierung aus, etwas gegen die neue Modeerscheinung unter Amerikas Teenagern zu unternehmen.

Obwohl die US-Behörden in der Vergangenheit den Zugang zu den hochumstrittenen Produkten zu erschweren versuchten (siehe dazu auch den Beitrag in ÖÄZ 10 vom 25. Mai 2019), konnte bislang kein Weg gefunden werden, den Siegeszug der E-Zigarette an Schulen zu verhindern. Im Gegenteil: Neue Analysen zeigen, dass die Zahl der Schüler, die Dampf-Zigaretten rauchen, weiter dramatisch gestiegen ist. Demnach konsumieren fünf Millionen US-amerikanische Teenager E-Zigaretten, ein Produkt, das am Markt zugelassen wurde, um erwachsene Raucher bei der Entwöhnung von der Nikotin-Zigarette zu unterstützen.

Viele US-amerikanische Gesundheitsexperten sehen darüber hinaus im frühen Konsum von E-Zigaretten einen Einstieg in das Rauchen von Nikotin-Zigaretten.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 20 / 25.10.2019