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Standpunkt Vize-Präs. Harald Mayer


Sperrstund is

© Gregor Zeitler

Es ist längst fünf nach zwölf. Im österreichischen Spitalswesen hakt es an mehreren Ecken. Einmal mehr haben Ärztinnen und Ärzte in einer Online-Umfrage den steigenden Zeitdruck, mehr Ambulanzfälle und knappe Personalressourcen als gravierende Probleme im Arbeitsalltag beklagt. Für viele ist die Arbeit im Krankenhaus in den vergangenen fünf Jahren unangenehmer geworden. Wir haben in den Spitälern zu wenig Personal, zu lange Wartezeiten für die Patienten und eine unzumutbare Arbeitsverdichtung. Besonders Ambulanzen müssen endlich entlastet werden, um sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren zu können. Hausärzte sollten erste Anlaufstelle für Patienten sein und Dokumentationsassistenten in allen Krankenhäusern rund um die Uhr eingesetzt werden, um die Ärzteschaft zu unterstützen. Die aktuelle Situation ist nicht akzeptabel. Mittlerweile sind Spitalsärzte auch zunehmend Gewalt ausgesetzt. Wenn bereits 71 Prozent verbale Gewalt und 25 Prozent physische Gewalt erleben und sechs Prozent mit einer Waffe bedroht wurden, dann ist Gefahr in Verzug. Spitalsträger müssen ein sicheres Arbeitsumfeld schaffen und Sicherheitskonzepte rasch umsetzen, wenn nötig mit Sicherheitsschleusen.

Ohne ausreichendes Personal und bessere Arbeitsbedingungen riskieren wir einen Exodus. Wir leisten uns Studierende, die hierzulande gar nicht arbeiten wollen, weil sie eine bessere Ausbildung im Ausland erhalten. Die Schweizer Kollegen werden nicht müde zu betonen, wie gern sie Mediziner aus Österreich mit offenen Armen empfangen. Absurde Ideen wie eine Verdopplung der Studienplätze sind nicht das Ei des Kolumbus. Die Qualität der Arztausbildung ist entscheidend für die medizinische Zukunft und eine Verpflichtung gegenüber unseren Patienten. Einzelne Abteilungen schneiden in der Ausbildungsevaluierung mit 1,0 ausgezeichnet ab, andere wiederum bleiben im Durchschnitt oder sind gar verbesserungswürdig. Jene, die besonders gut evaluiert wurden, zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Jungärzte viel Praxis, Fortbildungen und Feedbacks erhalten und sie rasch selbstständig unter Supervision arbeiten. Ziel muss es sein, dass diese hochwertige Ausbildung nicht abteilungsabhängig bleibt, sondern flächendeckend zum Standard wird. Ärzte in Ausbildung sollten überall selbstständig arbeiten können und wenig Bürokratie erledigen müssen.

Es geht um die Zukunft. Das ausgezeichnete Gesundheitssystem in Österreich kann nur aufrechterhalten werden, wenn wir den Nachwuchs sichern. Wenn nicht bald was gemacht wird, ist es nicht nur fünf nach zwölf, sondern es ist endgültig Sperrstunde.


Dr. Harald Mayer
3. Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2019