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ArchivÖÄZ 2019ÖÄZ 4 - 25.02.2019

Kurz und informativ: Politische Kurzmeldungen


Verunreinigtes Valsartan: EMA zieht Konsequenzen

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zieht Konsequenzen aus dem Skandal um verunreinigtes Valsartan. Demnach müssen Unternehmen, die Antihypertensiva auf Basis von Sartanen herstellen, ihre Herstellungsprozesse überarbeiten. Nach einer Übergangszeit von zwei Jahren dürfen Arzneimittel, die in der EU auf den Markt kommen, keine quantifizierbaren Mengen von Nitrosaminen mehr enthalten. Mitte 2018 war bekannt geworden, dass bestimmte Chargen von Valsartan mit NDMA verunreinigt waren. Das zusätzliche Krebsrisiko durch die verunreinigten Medikamente ist laut EMA jedoch sehr gering.


Fusion SVA-SVB: 10,5 Millionen Euro Kosten für 2019


Allein die Fusion der Sozialversicherungsanstalten der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und der Bauern (SVB) wird heuer 10,5 Millionen Euro kosten. Ein entsprechender Rahmen wurde für externe Beratung veranschlagt, wie eine Tageszeitung kürzlich online berichtete. Dabei zahlt die SVA 70 Prozent, die SVB 30 Prozent. Wie hoch die Kosten in den folgenden Jahren sein werden, ist noch nicht klar. Die SVA rechnet damit, dass die „vollständige Integration“ fünf bis sieben Jahre dauern werde. Eine Sprecherin der SVA begründete die Kosten damit, dass die Fusion eine „Sondersituation sei, die Zusatzmaßnahmen und -ressourcen erfordert“. Bei einer derartigen Größenordnung sei es „unvermeidbar“, externe Berater an Bord zu holen.


LKH Graz: Generalsanierung abgeschlossen

Die Generalsanierung des LKH Graz mit etlichen Neubauten um insgesamt 712,3 Millionen Euro ist abgeschlossen. Auf dem Areal des LKH-Uniklinikums Graz sowie am neuen Spitalstandort im Grazer Westen wurden in den letzten 25 Jahren über 300 Einzelprojekte im Rahmen des LKH-2000-Projektes zur Modernisierung realisiert. Die größten Einzelprojekte waren der Neubau des Standardkrankenhauses LKH Graz-West (rund 119,8 Millionen Euro) sowie der Um- und Zubau der Uniklinik für Innere Medizin (116,9 Millionen Euro). Die geplanten Kosten wurden um 3,7 Prozent überschritten, was laut KAGes im Rahmen der üblichen Zehn-Prozent-Regelung liegt.


Tirol: Umkleidezeit nun geregelt

Die tirol kliniken haben Anfang Feber 2019 die neue Regelung der Umkleidezeiten präsentiert, die mit Zentralbetriebsrat, Geschäftsführung und Aufsichtsrat akkordiert worden war. Bekanntlich hatte der Oberste Gerichtshof im Mai 2018 festgestellt, dass das An- und Ausziehen von Dienstkleidung auf die Arbeitszeit von Ärzten und Pflegern in Spitälern anzurechnen ist. Das wird künftig auch in Tirol umgesetzt: Die Umkleidezeiten der vergangenen drei Jahre werden rückwirkend als Zeitausgleich angerechnet.


ÖÄK auf BeSt3 2019

Die Österreichische Ärztekammer wird auf der diesjährigen „BeSt3“ (Messe für Beruf, Studium und Weiterbildung) vertreten sein. Die Veranstaltung findet von 7. bis 10. März 2019 in der Wiener Stadthalle statt. Vertreter der Ärztekammer und Jungärzte werden Interessierte über alle Themen rund um den Arztberuf, die Ausbildung sowie die Berufsaussichten von angehenden Ärzten informieren.


Thailand erlaubt medizinisches Cannabis

In Thailand hat das Parlament einstimmig für die Freigabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken gestimmt. Damit ist Thailand der erste asiatische Staat, in dem Cannabis für Medizin und Forschung genutzt werden darf.


Steiermark: 3,85 Millionen Euro für Kassenstellen

Insgesamt 3,85 Millionen Euro will die Steirische Gebietskrankenkasse (StGKK) in den nächsten zweieinhalb Jahren investieren, um Ärzte für schwer zu besetzende Kassenstellen zu gewinnen: 70.000 Euro pro Einzelordination, 35.000 pro Übergabepraxis und 105.000 Euro für eine neu gegründete Gruppenpraxis. Im Gegenzug sollen sich die Inhaber verpflichten, die Praxis jeweils mindestens fünf Jahre zu führen. Mit März 2019 werden 16 seit langem verwaiste Planstellen - vor allem am Land - ausgeschrieben. Bei dem knapp vier Millionen Euro handelt es sich – ebenso wie beim Kinder- und Jugendärztlichen Notdienst in Graz oder der Förderung diagnostischer Leistungen zur Früherkennung schwerwiegender Erkrankungen – um einen Teil eines gemeinsamen Pakets der Ärztekammer Steiermark und der StGKK.


USA: Mehr Masernfälle als 2016

Zwischen 1. Jänner und Anfang Feber dieses Jahres registrierte das US-Center of Disease Control bereits 101 Masernfälle – mehr als im ganzen Jahr 2016 – allerdings bei einer Gesamtbevölkerung von 328 Millionen Einwohnern. Durch die strikte Impfpolitik konnten in den USA die Masern weitgehend eingedämmt werden: Öffentliche Kindergärten, Schulen etc. sind nur für Kinder mit Impfnachweis zugänglich. Ein beträchtlicher Anteil der Infektionen war in den vergangenen Jahren auf Viren zurückzuführen, die aus dem Ausland „importiert“ wurden – 2018 etwa in fast einem Viertel der Fälle.


Weltbevölkerung: 7,67 Milliarden Menschen

Die Weltbevölkerung ist mit Anfang 2019 auf mehr als 7,67 Milliarden Menschen gestiegen – das sind rund 83 Millionen Menschen mehr als ein Jahr zuvor, wie die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung mitteilte. Besonders stark wächst die Bevölkerung in Afrika: Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge wird sich die Bevölkerung dort von derzeit rund 1,3 Milliarden bis 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen fast verdoppeln.


Europäische Arzneimittelbehörde verlässt London

Mit Ende Jänner 2019, rund zwei Monate vor dem geplanten Brexit, hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ihre Pforten in London geschlossen. Zusammen mit 18 weiteren europäischen Städten hatte sich auch Wien um den EMA-Sitz beworben, bevor im Herbst 2017 die Wahl auf Amsterdam fiel. Dem Institut für Höhere Studien zufolge hätte die EMA rund 203 Millionen Euro jährlich zum heimischen Bruttoinlandsprodukt beigetragen.


Nepal: Ärzte streiken für Reformen

Landesweit haben Ärzte in Nepal kürzlich für Reformen im Gesundheitswesen gestreikt. Krankenhäuser blieben bis auf Notaufnahmen und Intensivstationen geschlossen. Die Regierung wird aufgefordert, die ärztliche Versorgung für sozial benachteiligte Menschen in abgelegenen ländlichen Regionen zu verbessern und die Studiengebühren für das Medizinstudium zu senken.


Pakistan: 39 Millionen Polio-Impfungen

Fünf Tage, 39,2 Mio. Impfungen, 260.000 Helfer: Das sind die Eckdaten der in diesem Jahr ersten Polio-Impfkampagne in Pakistan – dem einzigen Land weltweit, das 2018 Polio-Fälle verzeichnete, die auf Wildstämme zurückgingen. Mit der Kampagne setzt Pakistan ein sehr erfolgreiches Impfprogramm fort: Waren 2014 noch 306 Menschen an Polio erkrankt, so lag die Inzidenz 2018 nur noch bei zwölf Fällen.


Leitspital Liezen: Volksbefragung

Am Sonntag, den 7. April 2019, findet eine Volksbefragung auf Bezirksebene über das Leitspital Liezen statt. Möglich wurde die Volksbefragung durch einen gemeinsamen Antrag von FPÖ und KPÖ. Mehr als 60.000 Bewohner des Bezirkes Liezen sind stimmberechtigt. Die Frage soll lauten: „Soll es im Bezirk Liezen anstelle der drei bestehenden Krankenhausstandorte in Bad Aussee, Rottenmann und Schladming nur mehr ein zentrales ‚Leitspital‘ geben?“ Das exakte Wählerverzeichnis soll bis Anfang März erstellt werden; danach erhalten die Stimmberechtigten amtliche Benachrichtigungen.


Krankenkassen: 85 Millionen Defizit

Für heuer erwarten die Krankenkassen ein Defizit von 85 Millionen Euro, wie aus einer vom Hauptverband veröffentlichten Prognose hervorgeht. Eingerechnet sind die Fusionskosten für die SVA (Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft) mit der SBV (Sozialversicherungsanstalt der Bauern) zur SVS (Selbstständigenversicherung). Ebenso berücksichtigt sind in den 85 Millionen Euro erste andere Auswirkungen der Kassenreform. So müssen die Kassen in diesem Jahr zusätzlich 14,7 Millionen Euro für Privatspitäler aufwenden. Weiters wurde der Pauschalbetrag der AUVA für die Behandlung von Arbeitsunfällen eingefroren, was weitere zehn Millionen Euro kostet. Noch nicht eingerechnet sind die Kosten für die Fusion der neun GKKs zur Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Laut der aktuellen Prognose erwartet von den neun GKKs heuer nur die Kärntner GKK (plus 12,6 Millionen Euro) sowie die Steirische GKK (plus 11,9 Millionen Euro) ein positives Ergebnis. Im Burgenland rechnet man mit einem ausgeglichenen Ergebnis; alle anderen GKKs prognostizieren ein Minus.


Masern-Epidemie in Madagaskar

Mindestens 922 Menschen – vor allem Kinder – in Madagaskar sind als Folge einer Masern-Infektion gestorben. Demnach haben sich seit Beginn der Epidemie im September 2018 laut WHO mehr als 66.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Die WHO und die örtlichen Behörden haben mit einer Impfkampagne begonnen, die rund sechs Millionen Kinder erreichen soll. „Das Ausmaß der Masern-Epidemie und deren geografische Reichweite in Madagaskar sind sehr beunruhigend“, hieß es Anfang Feber dieses Jahres in einem Bericht der WHO.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 4 / 25.02.2019