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ArchivÖÄZ 2019ÖAZ 5 - 10.03.2019

Kurz und informativ: Medizinische Kurzmeldungen


Intelligenz: verantwortliche Gene entdeckt

Forscher um Georg Dechant, Direktor der Gemeinsamen Einrichtung für Neurowissenschaften an der Medizinischen Universität Innsbruck, haben Gene identifiziert, die die Intelligenz regeln. Dechant: „Wir wissen, dass es nicht ein sogenanntes Intelligenzgen gibt, sondern dass viele Gene jeweils kleine Beiträge leisten.“ Eine zentrale Rolle spielt dabei das Protein SATB2: Es bindet an die DNA und bestimmt deren dreidimensionale Auffaltung im Zellkern. Menschen mit einer Mutation dieses Gens weisen geistige Beeinträchtigungen sowie Lernbehinderungen auf. Die molekularen Mechanismen dahinter waren bisher nicht bekannt. Nun konnte mit modernen biochemischen Methoden eine Gruppe von Proteinen bestimmt werden, die mit SATB2 in den Nervenzellen des Großhirns zusammenarbeitet. Dabei zeigte sich in Genom-weiten Assoziationsstudien, dass Varianten der entsprechenden Gene mit Unterschieden der menschlichen Intelligenz gekoppelt sind. Dechant zu den Ergebnissen: „Da so viele Gene involviert sind, erscheint es unmöglich, Intelligenz auf molekularer Ebene zu manipulieren.“
APA/Plos Genetics



Neue Viren aus Fledermäusen humanpathogen

Fledermäuse in Südamerika tragen Influenzaviren, die möglicherweise auch für den Menschen eine Gefahr darstellen können. Forscher um Prof. Silke Stertz von der Universität Zürich und von der Universität Freiburg (Deutschland) haben den Infektionsweg der Viren entschlüsselt. Demnach nutzen diese – im Gegensatz zu den bislang bekannten Influenzaviren – MHC-II-Moleküle für den Eintritt in die Zelle und somit einen ganz anderen Weg. Im Labor konnten die Influenzaviren der Fledermäuse die MHC-II-Komplexe von Menschen, Mäusen, Hühnern, Schweinen und verschiedenen Fledermausarten für den Zelleintritt nutzen. So haben diese Viren das Potential, zumindest auf Ebene des Zelleintritts Menschen und Nutztiere zu infizieren. Darüber hinaus zeigte sich in Versuchen mit Mäusen, dass sich das Virus in den oberen Atemwegen der Tiere vermehren konnte. Bisher konnten solche Infektionen noch nicht bei Menschen und Nutztieren nachgewiesen werden, wenn auch diese Viren grundsätzlich die Fähigkeit dazu haben.
APA/Nature


75 Prozent Treffsicherheit konnten Forscher aus Heidelberg mit Hilfe eines Bluttests bei der Diagnose von Brustkrebs erzielen. Der Test basiert auf dem Prinzip der Liquid Biopsy; bei Frauen mit Brustkrebs wurden 15 verschiedene Biomarker identifiziert, mit deren Hilfe auch kleine Tumoren nachgewiesen werden können. Mehr als 900 Frauen – davon 500 mit Brustkrebs – wurden in den vergangenen zwölf Monaten untersucht. Bei den unter 50-Jährigen lag die Quote bei 86 Prozent; bei den über 50-Jährigen bei 60 Prozent.
APA


Ketamin-Nasenspray gegen Depressionen

Ein Beratergremium der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) hat die Zulassung des Esketamin-Nasensprays für Patienten mit einer Therapie-resistenten Depression als zusätzliche Therapie zu Antidepressiva empfohlen. In der Wirksamkeitsstudie mit 346 Patienten lag nach 28 Tagen die Ansprechrate bei einer Kombina-tionstherapie von Esketamin (84 oder 56 Milligramm) und einem oralen Antidepressivum bei rund 54 Prozent. Wurde lediglich ein orales Antidepressivum verabreicht, waren es knapp 39 Prozent. Je nach Höhe der Ketamindosis (plus konventionelles Antidepressivum) verschwanden die Symptome bei knapp 39 beziehungsweise 37 Prozent der Patienten; in der Placebogruppe (nur orales Antidepressivum) bei weniger als 31 Prozent.
APA


Schwermetalle passieren Plazenta

Aufgrund einer strukturellen Ähnlichkeit mit einer Aminosäure kann Quecksilber die Plazentaschranke passieren. Das haben Wissenschafter der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems und der Medizinischen Universität Wien nachgewiesen. Quecksilber verbindet sich ebenso wie das neurotoxische Methyl-Quecksilber leicht mit schwefelhaltigen Aminosäuren wie zum Beispiel Cystein. Diese Verbindung wiederum ähnelt Methionin, das über einen spezifischen Transportmechanismus der Plazenta – das sogenannte System L – ins Blut des Fötus transportiert wird. In Zellkulturen konnten die Wissenschafter zeigen, dass Methylquecksilber tatsächlich wie eine Aminosäure transportiert. Das erklärt die schon früher beobachtete Tatsache, dass Föten eine höhere Quecksilberkonzentration im Blut aufweisen als ihre Mütter.
APA/Toxicology/International Journal of Molecular Sciences


Strom gegen Reflux

Bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Refluxerkrankung ist neben der Sphincterschwäche auch die Beweglichkeit der übrigen Speiseröhre in Mitleidenschaft gezogen, wodurch es zu Schluckproblemen nach Refluxoperationen kommen kann. Im Rahmen einer alternativen Operationsmethode haben Chirurgen des AKH Wien unter der Leitung von Univ. Prof. Sebastian Schoppmann 17 Patienten erfolgreich ein Stimulationsgerät implantiert. Dieses gibt rund 20 Mal am Tag – vom Betroffenen unbemerkt – Impulse ab. So wird der Sphincter zwischen Speiseröhre und Magen stimuliert, trainiert und gestärkt. Nach ein paar Wochen Training führen die Impulse zum gewünschten Effekt; Schluckbeschwerden traten demnach nicht mehr auf.
APA


Laktoseintoleranz: Biomarker entdeckt

Wissenschafter des Universitätsspitals Lausanne und der Forschungsanstalt Agroscope konnten in Blut- und Harnproben zwei Moleküle nachweisen, die Rückschlüsse auf die Laktose-Verwertung zulassen: Galactitol und Galactonat. Bei diesen Biomarkern handelt es sich um Derivate der Galaktose. Diese wiederum wird im Dünndarm vom Enzym Laktase aus Laktose erzeugt. Wie die Forscher um Nathalie Vionnet und Guy Vergeres berichten, lässt sich anhand dieser beiden Moleküle die Aktivität der Laktase nachweisen.
APA/American Journal of Clinical Nutrition


Depression: Therapieerfolg lässt sich vorhersagen

Der Erfolg einer Therapie bei Menschen, die an Depressionen leiden, lässt sich mit Hilfe von bildgebenden Verfahren schon vor Therapiebeginn bestimmen. Das konnte eine Forschergruppe an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien um Priv. Doz. Lukas Pezawas zusammen mit internationalen Kooperationspartnern nachweisen. Im Zuge der Studien wurden 22 depressive Patienten acht Wochen lang mit Escitalopram behandelt. Dabei erfolgten im Verlauf der Therapie vier Untersuchungen mittels hochauflösender funktioneller MRT. Pezawas dazu: „Patienten mit genügend starker Aktivität im Vorderhirn sprachen auf die Therapie mit einem Antidepressivum an, während bei Patienten, bei denen dies nicht der Fall war, ein Therapieerfolg ausblieb.“ In der Studie zeigte sich, dass diese Hirnregion die Wirkung des Antidepressivums auf Emotionsregionen im Gehirn unterstützt und deren Aktivität eine notwendige Voraussetzung für dessen Therapieerfolg ist.
MedUni Wien/Translational Psychiatry



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.03.2019