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ArchivÖÄZ 2020ÖÄZ 22 - 25.11.2020

Aktuelles aus der ÖÄK: „Arztpraxen sind sicher“


Die kommenden Monate werden das österreichische Gesundheitssystem erneut auf die Probe stellen. ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart sagt, worauf es im niedergelassenen Bereich ankommen wird.
Sascha Bunda


„Wir haben immer wieder vor der zweiten Welle gewarnt, nun ist sie da“, kommentiert Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte. Herbst und Winter würden herausfordernd werden.

Ein zentrales Thema sei dem ÖÄK-Vizepräsidenten zufolge, den Menschen die Angst zu nehmen, in die Ordinationen zu kommen. „Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr gibt es ja nun auch keine entsprechende Empfehlung der Regierung, die Ordinationen nur im Notfall aufzusuchen. Wir haben aus dieser Phase gelernt, dass wir auch die anderen Krankheiten, die im Umlauf sind, ernst nehmen müssen. Es sei wichtig, Kollateralschäden zu vermeiden, die dadurch entstehen würden, dass sich Patienten nicht trauen, ihren Arzt aufzusuchen: „Zu oft wurden dadurch wichtige Kontroll- und Routineuntersuchungen versäumt oder bestehende Krankheitsbilder unnötig verschlimmert, was wiederum zu einem höheren Behandlungsaufwand geführt hat“, so Steinhart.

Erklärtes Ziel sei daher, den Routinebetrieb in den Ordinationen unter Einhaltung der notwendigen Schutzmaßnahmen aufrecht zu erhalten. Die Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte hat die Empfehlungen für den Ordinationsbetrieb im Rahmen der COVID19-Pandemie überarbeitet und bietet damit einen Wegweiser an, damit die Praxen sichere Orte bleiben und Ärzte, Mitarbeiter und Patienten vor Ansteckung geschützt und das Infektionsrisiko minimiert wird. „Die Arztpraxen sind also wie gewohnt während der Pandemie für unsere Patienten geöffnet und beim Einhalten der Sicherheitsvorkehrungen bestmöglich sicher“, so Steinhart: „Damit sie ein sicherer Ort bleiben, müssen unsere Patientinnen und Patienten nur mitmachen und sich an diese sinnvollen Regeln halten.“

Rückkehr der Vernunft

Die Wiedereinführung der telefonischen Krankschreibung sei ein wichtiger Schritt gewesen. Steinhart begrüßt in diesem Zusammenhang die „Rückkehr der Vernunft im Wirtschaftsflügel der ÖGK.“ „Die ohnehin schon fadenscheinig wirkenden Argumente gegen die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung gingen wohl langsam aus, nachdem schwarz auf weiß festgehalten wurde, dass nicht nur kein Missbrauch damit betrieben wurde, sondern dass es zudem nicht einmal Verdachtsfälle gegeben hat und darüber hinaus auch die Zahl der Krankenstände nicht gestiegen, sondern sogar gesunken ist.“ Es sei nur ärgerlich gewesen, dass dieser Erkenntnisprozess innerhalb der ÖGK-Kreise so lange gedauert habe: „Hier hätte man sich viel Verwirrung und potentielles Risiko für die Bevölkerung ersparen können, wenn man gleich auf die Experten gehört hätte.“

Grundsätzlich solle in Zeiten, in denen es um Kontaktreduktion ging, auch verstärkt auf telemedizinische Behandlung per Telefon, Videotelefonie oder E-Mail gesetzt werden: „Auf diese Weise kann nicht nur abgeklärt werden, ob ein Patient vielleicht COVIDSymptome hat, sondern es können auch zahlreiche Beschwerden kompetent zugeordnet und angemessen behandelt werden“, sagt Steinhart. Auch Rezepte und Überweisungen können wieder ohne Besuch einer Arztpraxis telefonisch oder per E-Mail abgewickelt werden.

Darüber hinaus dürfe man auch die langfristige Stabilität des niedergelassenen Bereichs nicht aus den Augen verlieren, mahnt Steinhart. „Wir setzen uns weiter vehement für Ausgleichszahlungen ein, denn der niedergelassene Bereich wird auch in Zukunft entscheidend für das heimische Gesundheitssystem sein.“ Darüber hinaus seien auch zusätzliche Investitionen dringend notwendig, um die anderen negativen Entwicklungen zu stoppen: „Wir dürfen nicht vergessen, dass sich der Ärztemangel besonders im Kassenbereich verschärft. Keinesfalls lassen wir zu, dass die notwendigen finanziellen Unterstützungen – vor nicht allzu langer Zeit stand zum Beispiel eine Gesundheitsmilliarde im Raum – nun mit ökonomischen Rotstiftargumenten weiter hintangehalten werden.“ Das wäre, so Steinhart, das „ziemlich schlechteste Fazit, das man aus der bisherigen Pandemie ziehen könnte“: „Wir werden weiter für die beste Gesundheitsversorgung in Österreich eintreten, auch für den Fall, dass die politischen Entscheidungsträger schnell vergessen sollten, worauf es nicht nur in dieser Krise, sondern in der Zukunft allgemein ankommt.“

 

 

 

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 22 / 25.11.2020