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Leserbrief



Danke für den treffenden und unaufgeregten Kommentar von Präsident Lindner (Zurück zur Vernunft) in der Ausgabe vom 25. Oktober. Ich kann seinen Ausführungen nur voll und ganz zustimmen.

Viele Experten sprechen sich inzwischen gegen Massentestungen von asymptomatischen Personen aus. Nicht zuletzt hat die Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin schon vor einigen Wochen eine entsprechende Stellungnahme abgegeben. Leider bisher ohne Erfolg. Anstatt wie angekündigt das Testprogramm für die Mitarbeiter im Tourismus nach Ablauf Ende Oktober zu evaluieren (was meiner Überzeugung nach zu einer Einstellung des Programms hätte führen müssen), wurde die Initiative nicht nur fortgesetzt, sondern der Kreis der Teilnahmeberechtigten auch noch ausgeweitet.

Ich spreche mich nicht prinzipiell gegen Screening-Programme aus, stelle mir aber schon die Frage, warum das für den Tourismus möglich gemacht wird, nicht aber für Mitarbeiter in den Ordinationen oder in der Pflege. Da werden die Prioritäten meines Erachtens völlig falsch gesetzt.

Dass die wöchentliche Testung von Tourismus-Mitarbeitern auch nur irgendeinen Einfluss auf das Verhängen von Reisewarnungen und/oder auf das Kommen von Gästen gehabt hätte, ist wohl reines Wunschdenken. Die dafür aufgewendeten finanziellen und personellen Ressourcen wären anderweitig wesentlich sinnvoller eingesetzt, eine Änderung der Teststrategie daher dringend erforderlich.

Ich habe für mein Labor die Mitarbeit im Programm „Sichere Gastfreundschaft“, die ich auf Bitten von Kolleginnen und Kollegen, die in Tourismusgebieten tätig sind, begonnen habe, mit 31. Oktober beendet.


Univ. Doz. Dr. Johannes Möst

Facharzt für Klinische Mikrobiologie und Hygiene
6020 Innsbruck

 

 

 

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 22 / 25.11.2020