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ArchivÖÄZ 2020ÖÄZ 5 - 10.03.2020

Kurz und informativ: Medizinische Kurzmeldungen


4,5 Millionen vorzeitige Todesfälle
gibt es jährlich durch Luftverschmutzung. Feinstaub, der bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern entsteht, verursacht die schwersten gesundheitlichen Folgen; gefolgt von Stickstoffdioxid und Ozon. Konkrete Todesursachen sind dabei Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Lungenkrebs sowie Atemwegserkrankungen vor allem bei Kindern. APA

Arterien aus dem 3D-Drucker


Forscher um Paul Delrot von der EPFL (École polytechnique fédérale de Lausanne) an der ETH Lausanne haben ein 3D-Druckverfahren weiterentwickelt. Mit Hilfe von exakt berechneten Laserstrahlen bringen sie ein Biogel oder Flüssigkunststoff in einem Behälter in der gewünschten Form zum Aushärten. Im Gegensatz zu bisherigen Verfahren, bei denen solche Objekte Schicht für Schicht entstanden, entsteht es nun als Ganzes - schwimmend in der Flüssigkeit. Von Vorteil sei dies besonders für weiche Objekte, die beim „SchichtfürSchicht“-Ansatz leicht zerfallen, erklärte Damien Loterie von der EPFL. Getestet wurde bereits dieses Verfahren bei Gerüststrukturen für Arterien, die anschließend mit Zellen besiedelt werden können. Objekte bis zu einer Größe von zwei Zentimetern wurden bislang hergestellt. Anstatt der bisher möglichen Auflösung von 300 Mikrometer können die filigranen Details mit einer Präzision von 80 Mikrometern erzeugt werden; das entspricht etwa dem Durchmesser eines menschlichen Haars. APA/Nature Communications

Candida glabrata: Interferone als Störfaktor


Candida glabrata greift auf die körpereigenen Eisenreserven des Menschen zu und nutzt sie zu seinem Vorteil. Bei einer Infektion mit dem Pilz stören Interferone die korrekte Bildung jener Proteine, die Eisen aus den Makrophagen ausschleusen. Wird der Pilz von Makrophagen aufgenommen, wird überschüssiges Eisen mit Hilfe von Transportproteinen aus den Makrophagen ausgeschleust, um das Pilzwachstum zu stören. Das konnte eine Forschungsgruppe um Prof. Karl Kuchler an den Max Perutz Labs, ein Joint Venture der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien, nachweisen. Ebenso konnten die Wissenschafter zwei Transportmoleküle in Candida glabrata identifizieren, die für die Eisenaufnahme unerlässlich sind und einen möglichen Ansatzpunkt für eine Therapie darstellen. Jährlich sterben weltweit rund 400.000 Menschen an einer Infektion mit Candida glabrata. APA/Cell Host & Microbe

Clostridium difficile: häufigeres Vorkommen


Entgegen der bisherigen Ansicht, dass Clostridium difficile vor allem in Krankenhäusern übertragen wird, deuten aktuelle Ergebnisse darauf hin, dass der Keim „wesentlich häufiger auftritt und jeglicher Darmstörung – egal ob durch Antibiotika, anderen Infektionskrankheiten oder einfachen Reisedurchfall verursacht – folgen kann“, erklärt Mikrobiologie Univ. Prof. Martin Polz von der Universität Wien. Im Rahmen einer Studie eines internationalen Forscherteams mit Wissenschaftern vom Massachusetts Institute of Technology wurden öffentlich verfügbare Sequenzierungsdaten und das bisherige Vorkommen analysiert. Erst im Rahmen einer Langzeitbeobachtung eines einzigen Patienten konnte Clostridium difficile auch unmittelbar nach der Genesung von einer Lebensmittelvergiftung nachgewiesen werden. Dabei schwankte das Vorkommen tageweise: Oft war es tagelang unter der Nachweisgrenze, bis es zum Wiederaufleben kam. MedUni Wien/Nature Microbiology

Junk Food beeinträchtigt Hippocampus


Konsumiert man eine Woche lang eine an Junk Food reiche Nahrung, beeinträchtigt dies die neuronale Appetitregulation im Hippocampus. Prof. Richard Stevenson und Kollegen von der Macquarie Universität in Sydney (Australien) teilten 105 junge und gesunde Menschen in zwei Gruppen: Eine Gruppe erhielt acht Tage lang Junk Food; die andere übliche Mahlzeiten. Beide Gruppen mussten am ersten und letzten Tag vor und nach dem Frühstück angeben, wie groß ihr Verlangen nach angebotenen ungesunden Snacks war. Außerdem bewerteten sie, wie gut ihnen diese geschmeckt hatten. Das Ergebnis: Junk Food verringerte neuronale Appetitkontrolle schon nach nur einer Woche. Die Wissenschafter empfehlen nun, die Rolle des Hippocampus genauer zu untersuchen. APA/Royal Society Open Science

Blicke steuern Handprothese

Mit einem gezielten Blick kann die Steuerung einer Handprothese verbessert werden. Henning Müller, Professor für Wirtschaftsmathematik an der HES-SO (Haute école spécialisée de Suisse occidentale) in Siders (Schweiz) erstellte eine neue multimodale Datenbank für Handbewegungen. Dabei erhielten alle Teilnehmer – 15 nach der Amputation einer Hand sowie 30 Kontrollpersonen – zwölf Elektroden am Unterarm, Sensoren am Arm und am Kopf sowie eine Spezialbrille und führten zehn typische Handbewegungen aus wie etwa einen Stift in die Hand nehmen. Die Blickverfolgung liefert Informationen über die Wahrnehmung eines Gegenstands, nach dem jemand greift, sowie über die dazu notwendige Bewegung. Wird die Blickverfolgung mit dem maschinellen Sehen kombiniert, der Computer-gesteuerten Erkennung von Gegenständen im Sichtfeld, kann das maschinelle Sehen für die Teilautomatisierung von Handprothesen genutzt werden. Die vom Schweizerischen Nationalfonds für Forschung (SNF) geförderte Studie erfolgte in Zusammenarbeit von HES-SO, Universitätsspital Zürich und dem italienischen Institut für Technologie in Mailand. APA/Nature Scientific

Phytoöstrogene bei Mammakarzinom

Mit dem Einfluss von Phytoöstrogenen und anderen Natursubstanzen auf die Verstoffwechslung von Östrogenen und den Hormonhaushalt insgesamt haben sich Wissenschafter um Univ. Prof. Walter Jäger von der Universität Wien befasst. Bei Resveratrol müsse man, damit es zu Wechselwirkungen komme, sehr hohe Konzentrationen einnehmen, so Jäger. Die in Österreich erhältlichen Produkte seien im Hinblick auf die Dosierung kein Problem; allerdings seien Produkte mit hoher Dosierung über das Internet erhältlich. So sei aus anderen Studien bekannt, dass 500 Milligramm Resveratrol pro Tag über einen längeren Zeitraum eingenommen bei gesunden Frauen in den Hormonstoffwechsel eingreifen. Hingegen zeigte sich bei den Isoflavonen Genistein und Daidzein in molekularbiologischen Analysen ein deutlicher Einfluss auf den Metabolismus dieser Hormone in Brustkrebszellen: Der Abbau wurde gehemmt. Bei Hormon-abhängigem Mammakarzinom rät Jäger daher von Isoflavon-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab. Im Rahmen eines Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit der Universität Ljubljana (Slowenien) testen die Wissenschafter als nächstes die Wirkstoffe der Traubensilberkerze. APA

Protein S100A11: Marker für Leberkarzinom


Die Anwesenheit des Proteins S100A11 fördert Entzündungen und die Anhäufung von fasrigem Gewebe in der Leber. Eine Krebserkrankung fällt umso schwerer aus, je mehr S100A11 produziert wird. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um Prof. Michelangelo Foti von der Universität Genf. S100A11 kann durch einen einfachen Bluttest nachgewiesen werden. Nach Ansicht der Genfer Forscher könnte das Protein ein vielversprechendes Ziel für Therapien sein, die das Fortschreiten der Fettleber zu einem Karzinom verhindern. In einem nächsten Schritt gilt es, einen spezifischen Antikörper zu entwickeln, der in der Lage ist, das Protein einzufangen und so die karzinogene Wirkung zu verhindern. APA/Gut

 

 

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.03.2020