Logo Aerzteverlagszeitung

Corona-Virus: Pandemie


Europa ist mittlerweile das Epizentrum der weltweiten Corona-Pandemie. Rund 200.000 Menschen haben sich hier mit dem Corona-Virus infiziert. Die am stärksten betroffenen Regionen sind Italien, Frankreich und Spanien. In Österreich stehen einige Regionen unter Quarantäne.*


Weltweit sind mehr als 8.000 Todesfälle durch das Corona-Virus nachgewiesen; davon in Europa mindestens 3.422 Menschen; in Asien waren es 3.384. Innerhalb Europas werden die meisten Todesfälle in Italien gemeldet: Bisher gab es 2.503 Todesfälle. Laut WHO ist Europa das Epizentrum der weltweiten Corona-Pandemie. Die WHO hat die Corona-Virus-Pandemie als die „größte Gesundheitskrise unserer Zeit“ eingestuft, so WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. Demnach gibt es weltweit bisher insgesamt mehr als 183.400 bestätigte Fälle; rund 81.000 davon meldete China. 52,3 Prozent der Todesopfer wurden in China gemeldet; 29,5 Prozent in Italien, zehn Prozent im Iran und 2,2 Prozent in Spanien. Weltweit haben sich bereits auch mehr als 79.000 Menschen von Covid-19 wieder erholt.

In Italien registriert man in der vom Corona-Virus am meisten betroffenen Region Lombardei eine starke Zunahme sowohl bei den Infektionszahlen als auch bei den Todesopfern. Insgesamt sind in dieser Region mehr als 13.200 Personen infiziert; mehr als 1.200 sind daran verstorben. Knapp 4.900 Infizierte werden stationär behandelt; da-von etwas mehr als 750 auf Intensivstationen. Nicht nur das: In Italien haben sich mehr als 2.000 Ärzte, Krankenpfleger und andere Sanitäter seit dem Beginn der Corona-Krise infiziert.

In Europa ist – nach Italien – Spanien mit mehr als 9.000 Infizierten das am stärksten von der Pandemie betroffene Land Europas. So wurden innerhalb von 24 Stunden 1.500 Neu-Infektionen gemeldet; 309 Menschen starben. Am stärksten betroffen ist die Region Madrid. Ähnlich dramatisch die Entwicklung in Frankreich: Hier registriert man mehr als 5.400 Infizierte. Innerhalb von 24 Stunden ist hier etwa die Zahl der Todesopfer um 36 auf 127 angestiegen.

Situation in Österreich

In Österreich beträgt aktuell der Zeitraum bis zur Verdopplung der Covid-19-Fälle drei Tage; pro Tag steigt sie um 26,2 Prozent. Ein Infizierter steckt im Durchschnitt 1,44 weitere Personen an. Bei den Infizierten ist das jüngere bis mittlere Erwachsenenalter überrepräsentiert; der Altersgipfel der Infizierten liegt zwischen 45 und 54 Jahren. Tirol, wo mittlerweile eine Ausgangssperre über alle Gemeinden verhängt wurde, ist die am stärksten betroffene Region. Mittler-weile ist auch die Vorarlberger Arlberg-Region unter Quarantäne; betroffen waren die Gemeinden Lech, Klösterle, Warth und Schröcken. In Salzburg stehen das Gasteinertal mit den Gemein-den Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein ebenso unter Quarantäne wie das Großarltal mit den Gemeinden Großarl und Hüttschlag. In Kärnten steht Heiligenblut unter Quarantäne.


Auch innerhalb des Gesundheitspersonals steigt die Zahl der Infizierten und auch die Zahl jener, die wegen eines möglichen Kontakts mit Infizierten in Quarantäne sind. Betroffen davon sind nahezu alle Bundesländer. In beinahe allen Spitälern und Pflegeheimen sind Besuche verboten; Kur- und Reha-Einrichtungen sind geschlossen. Nicht unbedingt notwendige Eingriffe in Spitälern werden verschoben; ebenso auch nicht dringend notwendige Untersuchungen oder Behandlungen bei niedergelassenen Ärzten. In der „Messe Wien“, die sonst für Großveranstaltungen genutzt wird, wurde ein Groß-Lazarett mit 880 Betten errichtet. Es soll für Menschen zur Verfügung stehen, die einen leichten Verlauf der Infektion aufweisen und nicht zu Hause betreut werden können.

Impfstoff gegen Covid-19


Berichte über ein Übernahmeangebot aus den USA hat das deutsche Biotech-Unternehmen CureVac zurückgewiesen. Die Firma, die an einem Impfstoff gegen das Corona-Virus arbeitet, teilte via „Twitter“ mit, dass es im Zuge eines Treffens mit US-Präsident Donald Trump Anfang März im Weißen Haus kein diesbezügliches Angebot von der US-Regierung gegeben habe. Dem vorangegangen waren Berichte, wonach Trump der Firma einen hohen Betrag angeboten habe, um sich deren Arbeit exklusiv zu sichern. Mittlerweile hat die EU-Kommission CureVac einen Kredit in der Höhe von bis zu 80 Millionen Euro angeboten, um so die Entwicklung des Corona-Impfstoffs zu unterstützen.

Therapie: nur experimentell

Bei der Behandlung von Menschen, die schwerst an Covid-19 erkrankt sind, gibt es derzeit sogenannte individuelle Heilver-suche mit bekannten Medikamenten, die auch eine Wirkung bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 haben dürften. Dazu Univ. Prof. Walter Hasibeder von der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI): „Eine eindeutig wirksame kausale medikamentöse Therapie gegen Covid-19 ist derzeit nicht bekannt. In schweren Einzelfällen werden diverse Virostatika und andere Substanzen zur Verringerung der viralen Belastung des Patienten eingesetzt“. Dazu zählen etwa Darunavir/Cobicistat sowie Lopinavir/Ritonavir, die bei der Behandlung von HIV eingesetzt werden. Remdesivir kam bei Ebola zum Einsatz. Das aus Japan stammende Favipiravir wird dort unter anderem bei der Behandlung der Influenza eingesetzt. Chloroquin ist ein schon lang bei der Behandlung der Malaria verwendete Substanz. Nitazoxaride hat eine Breitbandwirkung gegen Protozoen und verschiedene Viren. Ribavirin kam bei der Behandlung von Hepatitis C in Kombination mit In-terferon zum Einsatz. Hasibeder weiter: „Die Verabreichung der erwähnten Substanzen sollte nur in ausgewählten Fällen und nach einer sehr genauen Nutzen-Risiko Abwägung erfolgen“. Bei der eventuellen Verabreichung, die vor allem bei schwerst Betroffenen – vermutlich Intensivpatienten – in Frage komme, müsse besonders auf allfällige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geachtet werden.

Nach Ansicht von Univ. Prof. Elisabeth Puchhammer-Stöckl vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität  Wien werden 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung am Virus erkranken. „Wir hoffen, dass wir bis zum Sommer ein Abklingen der Epidemie schaffen. Aber es wird sicher ein paar Wochen und Monate dauern“, erläuterte die Expertin. Ihre Prognose: „Ende April, Mitte Mai wird es vielleicht beginnen, wieder weniger zu werden.“


*Fußnote: Stand 17. März


„Zu Hause bleiben, wenn Sie krank sind“

„Es ist Ärztinnen und Ärzten und dem gesamten Gesundheitspersonal nicht zuzumuten, ohne Schutzmasken und ausreichende Schutzkleidung zu arbeiten“, betont ÖÄK-Präsident Univ. Prof. Thomas Szekeres. Schließlich handle es sich bei diesen Personen um Multiplikatoren. Könnten Spitalsärzte die Versorgung nicht gewährleisten, bestehe die Gefahr, dass „das System zusammenbricht“, so Szekeres. Und er betonte gleichzeitig, dass Ärztinnen und Ärzte in den Ordinationen für die Versorgung von Patienten in den Ordinationen benötigt würden. „Wenn Sie krank sind, dann lautet mein dringender Appell an die Ärztinnen und Ärzte: zu Hause bleiben“, erklärt Szekeres.


 



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 6 / 25.03.2020