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ArchivÖÄZ 2020ÖÄZ 8 - 25.04.2020

Borna-Disease: Selten, aber tödlich


Wenn auch nur wenige humane Fälle der „Borna-Disease“ bekannt sind, kommt es in Deutschland jährlich zu bis zu sechs Erkrankungen. Bis auf eine Ausnahme verliefen alle bisher bekannten Fälle tödlich. Bei den ersten beim Menschen aufgetretenen Fällen handelte es sich um Transplantationspatienten.


Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) wurde nur in seltenen Einzelf.llen bei Menschen beobachtet. Das waren stets Enzephalitiden, welche in fast allen Fällen einen tödlichen Verlauf nahmen.“, berichtet Univ. Prof. Norbert Nowotny vom Institut für Virologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die ersten beschriebenen Fälle beim Menschen betrafen drei Transplantationspatienten. „Deshalb wurde anfänglich davon ausgegangen, dass eine Infektion nur bei einer Immunsuppression auftreten kann. „Dies wurde nach Fällen bei gesunden Menschen widerlegt“, veranschaulicht Nowotny. Laut Robert Koch-Institut sind für den Menschen verschiedene Übertragungswege denkbar. Demnach sei es laut den Experten am wahrscheinlichsten, dass sich der Mensch auch über den Kontakt mit Ausscheidungen von Spitzmäusen ansteckt. Es sei aber auch m.glich, dass das Virus in der Umwelt länger infektiös bleiben kann; dies würde bedeuten, dass kein direkter Kontakt des Menschen mit dem Tier notwendig sein müsste. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr unwahrscheinlich.

Neurologische Symptome und Koma

Als typische Symptome zeigen die meisten Patienten anfangs Kopfschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. In einer zweiten Phase traten bei allen Erkrankungsfällen neurologische Symptome wie Sprach- und Gangstörungen auf; anschließend kam es innerhalb weniger Tage oder Wochen zum Koma. Eine spezifische Therapie gegen Bornavirus-Infektionen ist aktuell nicht verfügbar. Mit einem einzigen Ausnahmefall verliefen die bekannten Borna-Virus-Erkrankungen in Deutschland alle tödlich. Erstmals wurde das Borna-Virus 2018 als Ursache für schwere Enzephalitiden beim Menschen nachgewiesen. Das deutsche Robert Koch-Institut geht davon aus, dass es jährlich ungef.hr zwei bis sechs akute Erkrankungen in Deutschland gibt; der direkte Virusnachweis beim Menschen ist in Deutschland meldepflichtig. In Österreich ist beim Menschen laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit noch kein Fall einer durch Borna-Viren verursachten Enzephalitis aufgetreten. Als natürliches Reservoir des Borna-Virus haben Schweizer Forscher die Spitzmaus-Art Crocidura leucodon („Feldspitzmaus“) identifiziert. Norbert Nowotny und Kollegen konnten dies auch molekularbiologisch bestätigen. Der Terminus „Borna“ entstand, nachdem in der gleichnamigen Stadt Borna bei Leipzig um 1890 einige 100 Pferde an dieser Krankheit verstarben. „Normalerweise handelt es sich um eine Einzeltier-Erkrankung. Epidemien gab es bis auf die namensgebende keine“, erklärt Nowotny. Häufig trete die Bornasche Krankheit bei Pferden und Schafen auf, nur selten bei anderen Tierarten. Alle Erkrankungen würden mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 90 Prozent zum Tod führen.

Das streng neurotrope Virus kommt laut Nowotny nur in bestimmten Endemiegebieten vor: im Osten Deutschlands, in Bayern, in anderen Teilen Deutschlands sowie der Ost-Schweiz bis nach Liechtenstein und Vorarlberg. Die meisten Fälle der Bornaschen Krankheit in Österreich sind aber in einem erst kürzlich identifizierten kleinen Endemiegebiet in Oberösterreich aufgetreten. Nach Abklingen der Corona-Krise sind in diesem Gebiet weiterführende Untersuchungen, auch beim Menschen, geplant. „Es gab au.erdem einen Einzelfall bei einem Pony in der Steiermark. Hier war das Virusgenom aber 20 Prozent unterschiedlich zu BoDV-1, weshalb dieses Virus auch als BoDV-2 klassifiziert wurde. Ein weiteres Auftreten dieses Virus gab es aber nicht“, führt Nowotny aus. Noch immer habe man die Infektionsquelle der humanen Infektionen nicht herausgefunden. „Wir gehen nicht davon aus, dass sich der Mensch beim Pferd ansteckt, da diese als Endwirte sogenannte dead-end-hosts sind“, erklärt Nowotny. Eine Hypothese besagt, dass Hauskatzen Spitzmäuse in das Haus bringen und der Mensch sich bei der Entsorgung der Spitzmäuse anstecken könnte.


Quellen: Robert Koch-Institut, Informationen zur Vermeidung von Infektionen mit dem Borna Disease Virus, 2019; AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)
 

 

 

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2020