Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2020ÖÄZ 8 - 25.04.2020

Corona-Virus-Pandemie: „Höhepunkt noch nicht erreicht“


Nach Einschätzung der WHO und des ECDC ist der Höhepunkt der Corona-Virus-Epidemie noch nicht erreicht. 90 Prozent aller Fälle werden in den USA und in Europa verzeichnet – hier vor allem in Italien, Spanien und Frankreich. Während etwa Russland, die Türkei und der Iran mit stark steigenden Zahlen an Neuinfektionen konfrontiert sind, kämpft Südkorea gegen das Wiederaufflackern.


Laut dem European Centre for Prevention and Disease Control (ECDC) g.be es in Europa derzeit keine Anzeichen dafür, dass der Höhepunkt der Corona-Virus-Pandemie bereits erreicht sein könnte, obwohl „es aus Italien und Österreich frühe Hinweise darauf gibt, dass die Zahl der Infektionen und Todesfälle rückläufig ist“, wie es in einer Stellungnahme heißt. Insgesamt seien in Europa „starke Anstiege“ an COVID-19-Fällen und Todesfällen zu verzeichnen. Demnach verzeichnete das europäische Monitoringsystem in den vergangenen Wochen vor allem in Belgien, Frankreich, Italien, Malta, Spanien, der Schweiz und in Großbritannien eine Sterblichkeit über der zu erwartenden Rate – vor allem bei über 65-Jährigen. „In der jetzigen Situation ist von einer kontinuierlichen Weiterverbreitung des Virus auszugehen“, erklärte der Direktor des ECDC, Andrea Ammon.

Wie eine Exit-Strategie aussehen könnte, damit hat sich die EU-Kommission in einem gleichnamigen Papier befasst. Darin hei.t es u.a.: „Jede schrittweise Lockerung der Ausgehbeschränkungen wird unausweichlich zu einer Steigerung neuer Fälle führen“. Deswegen müssten aus Sicht der Kommission zwei Voraussetzungen erfüllt sein: einerseits eine spürbare Verlangsamung der Ausbreitung des Corona-Virus; andererseits eine ausreichende Zahl an Krankenhaus- und Intensivbetten. Weiter hei.t es in dem Papier: „Die Ma.nahmen müssen in verschiedenen Schritten aufgehoben werden und dazwischen muss jeweils genügend Zeit bleiben, zum Beispiel ein Monat. Auf lokaler Ebene soll damit begonnen werden; so könnten Beschränkungen bei Bedarf wieder eingeführt werden.

Weltweit zwei Millionen Infektionen

Mittlerweile hat die Marke der weltweit nachgewiesenen Infektionen mit dem neuen Corona-Virus laut den Daten der Johns Hopkins Universität (Baltimore) die Marke von zwei Millionen überschritten. In Europa ist die Zahl der Infektionen mit dem Corona-Virus auf mehr als 750.000 gestiegen. Die meisten – bekannten – Infektionen gibt es derzeit in den USA (420.000 Fälle), gefolgt von Spanien (150.000 Infektionen), Italien (140.000); dann folgen Frankreich, Deutschland, China und der Iran. In den USA ist New York mit mehr als 140.000 bestätigten Fällen derzeit das Epizentrum der Krise; rund 10.000 Menschen sind daran verstorben. Weltweit gibt es mehr als 120.000 Tote nach einer Infektion mit dem Corona-Virus; in Europa ist die Zahl der Toten auf mehr als 81.000 angestiegen. 80 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 wurden in Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien verzeichnet. Italien ist weiterhin das am meisten betroffene Land in Europa; dort starben seit Ende Feber rund 20.000 Menschen, gefolgt von Spanien (18.000 Tote) und Frankreich (15.000 Tote). In Großbritannien sind mehr als 10.000 Menschen der Infektion erlegen. In den USA sind mehr als 23.000 Menschen daran gestorben. Im Iran haben sich bislang mehr als 74.000 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert; 4.400 Menschen sind am Virus gestorben. Der Iran zählt damit weltweit zu den von der Corona-Epidemie am schwersten betroffenen Ländern.

Großbritannien könnte nach Einschätzung der Wellcome-Stiftung – die weltweit zweitreichste Stiftung, die medizinische Forschung fördert - schlussendlich das Land innerhalb Europas sein, das am stärksten von der Corona-Epidemie betroffen ist, wie der Direktor der Stiftung, Jeremy Farrar, erklärte. Der Experte, der auch die britische Regierung berät, rechnet nach dem jetzigen Ausbruch mit einer zweiten und dritten Welle. In Großbritannien hat die Epidemie ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, weswegen die Ausgangsbeschränkungen vermutlich verlängert werden. China wiederum hat mit 12. April die bisher höchste Zahl an importierten Infektionen an einem Tag gemeldet: mit 97 von 99 der an einem Tag registrierten Fälle. Zuletzt war am 25. März ein Höchststand von 67 importierten Fällen gemeldet worden. Im Nachbarland Schweiz sind bislang mindestens 1.000 Menschen an COVID-19 gestorben. In der Türkei wiederum waren 80 Prozent der 4.600 Intensivbetten innerhalb von drei Tagen belegt. Die Türkei hat bisher rund 42.200 Infektionen und mehr als 900 Todesfälle gemeldet. Einen starken Anstieg der Fälle gibt es in Russland: Hier wurden mehr als 21.000 Corona-Fälle gemeldet; 170 sind daran verstorben. In Moskau etwa hat sich die Zahl derjenigen, die wegen eines schweren Krankheitsverlaufs in ein Krankenhaus eingewiesen werden mussten, innerhalb einer Woche mit 5.500 mehr als verdoppelt. In Schweden wurden bislang mehr als 11.400 bestätigte Infektionen registriert; knapp mehr als 1.000 sind daran gestorben. Damit hat Schweden in Skandinavien die meisten Fälle vor Norwegen (6.600 Infektionen, 130 Tote) und Dänemark (6.500 Infektionen; 300 Tote).


Südkorea: neuerlicher Ausbruch

Indessen hat Südkorea mit einem Wiederaufflackern von Infektionen zu kämpfen. Dort ist bei 91 Menschen, die nach einer Infektion mit dem Corona-Virus genesen waren, neuerlich COVID-19 ausgebrochen. Wie der Direktor des Koreanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung KCDC, Joeng Eun-Kyeong, erklärte, sei es eher wahrscheinlich, dass das Virus „reaktiviert“ worden sei, als dass es sich um Neuinfektionen handle. Andere Experten führen als mögliche Ursache für den neuerlichen Anstieg falsche Testergebnisse an.

Quelle: APA Stand: 14. April


Stichprobe in Österreich: Ergebnisse

In Österreich hat es Anfang April – zusätzlich zu den Patienten, die wegen COVID-19 stationär betreut werden – zwischen 10.200 und 67.400 Personen gegeben, die mit Corona-Virus infiziert sind; der wahrscheinlichste Wert liegt bei 28.500 Infizierten. Von den 1.544 getesteten Personen waren 0,32 Prozent positiv. Berücksichtigt man die Schwankungsbreite waren im Zeitraum von 1. April bis 6. April mit einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit zwischen 0,12 und 0,76 Prozent der Österreicher mit dem Corona-Virus infiziert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Stichprobenuntersuchung, die vom Meinungsforschungsinstitut SORA in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz, der Medizinischen Universität Wien und weiteren Institutionen im Auftrag des Wissenschaftsministeriums durchgeführt wurde. Die Auswahl der Teilnehmer für die Stichprobe erfolgte zufällig aus öffentlichen Telefonverzeichnissen. Einzige Vorgabe war, dass die Zahl der Studienteilnehmer pro Bundesland genau dem Verhältnis der jeweiligen Landesbevölkerung zur Gesamtbevölkerung entspricht. Offiziell gab es zu diesem Zeitpunkt (6. April) rund 12.200 positive Test-Ergebnisse; 8.600 davon waren erkrankt. 220 Betroffene waren zu diesem Zeitpunkt an oder mit COVID-19 verstorben.


 

 

 

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2020