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ArchivÖÄZ 2021ÖÄZ 10 - 25.05.2021

TCM und COVID-19: Kombinierte Therapie


In China wurden mehr als 90 Prozent der Patienten mit einer bestätigten COVID-19-Erkrankung mit Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) behandelt. Chinesischen Studien zufolge kommt es durch eine Kombination von konventioneller Medizin mit TCM zu einem abgeschwächten Verlauf der Erkrankung.
Manuela-C. Warscher


Seit seinem ersten Auftreten in Wuhan vor rund eineinhalb Jahren hat das Corona-Virus mehr als 200 Länder und Regionen weltweit erfasst. In dieser Zeit hat die westliche medizinische Forschung Impfstoffe und Arzneimittel zum kurativen und präventiven Einsatz bei COVID-19 auf den Markt gebracht beziehungsweise ihre Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien getestet. In der TCM reichen die Strategien zur Prävention und Behandlung von COVID-19 von der Akupunktur über Ernährungskonzepte bis hin zu diversen Heilkräuterrezepturen. „TCM hat eine über 2.000-jährige Tradition und umfangreiches Wissen hinsichtlich der Diagnose und Therapie von epidemischen Krankheiten. Sie kann sowohl präventiv als auch in der Akutphase einer Corona-Erkrankung oder in der Rekonvaleszenz angewendet werden“, sagt der Allgemeinmediziner Richard Seng Tung Schmerker, der im niederösterreichischen Perchtoldsdorf auch TCM-Behandlungen anbietet. „In China hat man beispielsweise ganze Städte präventiv mit TCM behandelt und Rezepturen in verschiedenen Krankheitsstadien eingesetzt. Dabei hat sich gezeigt, dass der frühe Einsatz von TCM oft ein Fortschreiten der Krankheit verhindern kann.“

COVID-19: pathogene Feuchtigkeit

In der TCM spielt der pathogene Faktor „Feuchtigkeit“ hinsichtlich COVID-19 eine entscheidende Rolle. Die Behandlungskonzepte fokussieren daher auch auf die Auflösung der Feuchtigkeit im frühen Krankheitsstadium. Offiziellen Angaben zufolge erhielten in China mehr als 90 Prozent der Personen mit einer bestätigten COVID-19-Erkrankung eine individuelle, auf die Symptome des Patienten ausgerichtete und auf Standardrezepturen basierende TCM-Behandlung. „Im Unterschied zur konventionellen westlichen Medizin geht TCM von der Infektion aus und behandelt das Fortschreiten der Erkrankung in die Tiefe und damit die unterschiedlichen Erkrankungen wie Husten, Fieber oder Hautreaktionen“, sagt Schmerker. Mehr als 200 COVID-Patienten wurden bislang auch in Österreich über die Ärzte-Plattform „TCM Connect“ behandelt. In der wissenschaftlichen Literatur wird aufgrund der TCM-Behandlungen ein Rückgang der klinischen Symptome bei COVID-Patienten bei 88,5 Prozent diskutiert. „Studien der Wuhan Shengyang Clinic mit mehr als 1.200 Patienten belegen sogar eine Verbesserung der Symptome bei 97 Prozent. Hervorzuheben sind Studiendaten, die eine Abschwächung der Verläufe bei kombinierter Therapie aus konventioneller Medizin und TCM bestätigen“, sagt Schmerker. Aufgrund solcher Daten sei in China auch die Kombination der beiden Medizinrichtungen empfohlen worden. „Dadurch gab es seit Jänner 2021 kaum COVID-Fälle und die Mortalität in China ist gering“, führt Schmerker weiter aus.

Integration von beiden Richtungen

Das National Health Committee in China empfiehlt Diagnose und Behandlung nach TCM und der konventionellen westlichen Medizin in integrierter Form durchzuführen. Bei diesen Empfehlungen stützen sich die Experten auf Studien und praktische Erfahrungen unter anderem aus Wuhan. Studiendaten belegen, dass leichte Symptome durch eine kombinierte Behandlung gelindert wurden und es „nur bei vier Prozent der Patienten zu einem Übergang von leicht-mittelschwer zu schwer-kritisch kam im Vergleich zu der konventionellen Behandlung mit zehn Prozent“, so Schmerker. Und weiter: „Durch den ergänzenden holistischen Zugang von TCM zu Diagnose und Behandlung wurde bei vielen Patienten eine positive klinische Wirksamkeit, eine Besserung des Blutbildes und eine beschleunigte Genesung unter der Kombinationstherapie verzeichnet“, so Schmerker. Chinesische Wissenschafter berichten außerdem von einem Rückgang der Mortalität bei einer integrierten Versorgung. Je nach klinischen Symptomen und Verläufen kommt diese Kombination auch in der Rekonvaleszenz der Patienten zum Einsatz. „Vor allem Rehabilitationsmaßnahmen nach TCM verbessern Körper- und Atemfunktionen der Patienten“, so Schmerker.

 

 

 

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2021