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ArchivÖÄZ 2021ÖÄZ 1/2 - 25.01.2021

Kurz und informativ: Medizinische Kurzmeldungen (25.01.2021)


CRISPR-Cas9 unterstützt Prüfung von Wirkstoff

Eine neue Methode, wie Hunderte Proteine parallel untersucht werden können, haben Andreas Reicher und Anna Koren vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) entwickelt. Anhand ihrer auf der Genschere CRISPR-Cas9 basierenden Markierungsstrategie können die Wissenschafter Zellpools mit Hunderten markierten Proteinen erzeugen, wobei in jeder Zelle ein anderes Protein mit einem fluoreszierenden Anhängsel gekennzeichnet wurde. Mit dieser Methode können auch Veränderungen im Hinblick auf die Protein-Menge und deren Lokalisation in der Zelle ebenso beobachtet werden wie Auswirkungen von bekannten Medikamenten beziehungsweise Wirkstoffkandidaten auf viele verschiedene Proteine in Zellen. APA/Genome Research

Autismus: Lernprobleme triggern geringere Flexibilität

Die eingeschränkte Flexibilität bei einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) korreliert mit geringerem optimalem Lernen. Das hat ein Forscherteam um Neurowissenschafter Lei Zhang von der Universität Wien und Daisy Crawley vom King‘s College London nachgewiesen. Sie untersuchten 572 Personen zwischen sechs und 30 Jahren mit und ohne ASS, die bei einer speziellen Lernaufgabe mittels Feedback lernen und ihre Antworten bei Regeländerung anpassen mussten. Ergebnis: Dominante Lernmechanismen, die flexiblem Verhalten zugrunde liegen, sind je nach Entwicklungsstadium unterschiedlich, hängen aber nicht von der Diagnose ASS ab. Das reduzierte flexible Verhalten von Autisten wurde durch ein geringeres optimales Lernen innerhalb jeder Altersgruppe angetrieben. Beim Erlernen von flexiblem Verhalten haben Menschen mit ASS eher Schwierigkeiten, „weil sowohl das Erlernen markanter Veränderungen als auch das Lernen, Feedback zu ignorieren, erforderlich ist“, so Zhang. APA/Plos Biology

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für Hirn-Aneurysmen verantwortliche genetische Anomalien, die insbesondere an der Funktion der Endothelzellen beteiligt sind, konnten kürzlich identifiziert werden. Wissenschafter des Universitätsspitals Genf analysierten das Genom von mehr als 10.000 Betroffenen und stellten dabei auch einen noch unklaren Effekt von Antiepileptika fest. Hypertonie und Rauchen erhöhen den epidemiologischen Daten zufolge überdies das Risiko für ein Aneurysma. APA/Nature Genetics

Schwerelosigkeit stresst Astronauten

Ein längerer Aufenthalt in der Schwerelosigkeit führt zu veränderten Blutwerten, die auf einen hohen Stresslevel hindeuten: Eine stärkere Konzentration bestimmter DNA-Abschnitte (cfDNA) liegt vor, wie ein internationales Team unter Leitung des Universitätsklinikums Tübingen herausfand. „Für die Studie haben wir das Blut eines NASA-Astronauten vor, während und nach seinem Einsatz auf der ISS untersucht und es mit dem seines eineiigen Zwillingsbruders auf der Erde verglichen“, so Studienautorin Daniela Bezdan. Die Forscher erhoffen sich unter anderem, die medizinische Überwachung von Astronauten verbessern zu können. Zellveränderungen könnten anhand von Blutmarkern an Bord der Raumfähren analysiert werden. Außerdem möchten sie neue Medikamente entwickeln, die sich speziell für lange Missionen – zum Beispiel zum Mars – eignen. APA/Cell

Zervixkarzinom: MRT plant Therapie

Die Überlebensrate bei lokal fortgeschrittenem Zervixkarzinom kann mit einem neuen Bestrahlungsverfahren, das unter Leitung von Univ. Prof. Richard Pötter und Prof. Christian Kirisit von der Universitätsklinik für Radioonkologie der Medizinischen Universität entwickelt wurde, verbessert werden. Für die Studie EMBRACE I wurden über zehn Jahre 1.341 Patientinnen in 24 Zentren weltweit gemeinsam mit einem Team aus dem dänischen Aarhus behandelt. Die Therapieplanung erfolgte mittels Magnetresonanztomographie (MRT), was im Vergleich zum Röntgen eine hochpräzise Darstellung des Tumors bei weniger Nebenwirkungen erlaubt. Der Primärtumor war in 92 Prozent der Fälle auch fünf Jahre nach der Therapie nicht mehr nachweisbar – vor allem jene mit Stadium IIIB profitierten. Insgesamt lag die Fünf-Jahres-Gesamtüberlebensrate bei 74 Prozent – eine Verbesserung von neun Prozent. Selbst bei Stadium IVA und IVB sei die Prognose den Forschern zufolge günstig. APA

Universeller chimärer Influenza-Impfstoff wirkt

Mit einer Mischung aus veränderlichen und immer gleichen Oberflächenelementen der Influenza-Viren stellten die österreichischen Wissenschafter Univ. Prof. Florian Krammer, Prof. Peter Palese und Ass. Prof. Raffael Nachbagauer, die an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York forschen, einen universellen, chimären Impfstoff her. In der klinischen Phase I-Studie an 65 Personen zwischen 18 und 39 Jahren hat er sich als wirksam und sicher erwiesen. Die Probanden zeigten mindestens 18 Monate lang eine starke Immunantwort gegen Influenza-Viren. Man könne nach zwei bis drei Impfungen ein Leben lang – auch gegen neu auftretende Subtypen geschützt sein – prognostiziert Krammer; eine jährliche Impfung wäre nicht mehr nötig. APA/Nature Medicine

Glaukom-Therapie mit Stammzellen

Durch Zellverjüngung konnten Wissenschafter der Harvard Medical School um David Sinclair, Professor am Department of Genetics, das Sehvermögen von Mäusen wiederherstellen. Die Forscher modifizierten einen Prozess, der anhand von vier Proteinen Stammzellen herstellt. Drei dieser Proteine injizierten sie Mäusen mit einer Sehnervschädigung. Tests zeigten, „dass die Hälfte der durch den erhöhten Augeninnendruck verlorenen Sehschärfe wiederhergestellt wurde“, so Sinclair. Ähnlich erfolgreich zeigte sich die Behandlung von älteren Mäusen mit altersbedingter Sehschwäche. Nebenwirkungen im Beobachtungszeitraum blieben aus. Die Methode könnte womöglich schon in zwei Jahren bei Patienten mit Glaukom und später etwa auch bei altersbedingter Demenz eingesetzt werden. APA/Nature

Extrem-Langzeit-Insulin bringt Vorteile bei Therapie

Zur Erleichterung der Therapie bei Diabetes mellitus Typ 2 eignet sich ein Extrem-Langzeit-Insulin, das nur einmal wöchentlich injiziert wird, am besten; für Kinder mit Diabetes mellitus Typ 1 sind Insulinpumpen die erste Wahl. Zu diesen Ergebnissen kommt eine in Deutschland, Luxemburg, der Schweiz und Österreich mit Beteiligung der Medizinischen Universität Wien durchgeführte Studie. Eine Analyse der Daten aus der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) von 501 Zentren und 8.332 Patienten ergab bei schneller Insulinpumpen-Therapie einen mittelfristigen HbA1c von 7,9 Prozent; bei verzögertem Pumpen-Einsatz acht Prozent. Die Häufigkeit von Hypoglykämie-Episoden sank um 56, die Spitalsaufnahmen reduzierten sich um 14 Prozent. In einer klinischen Studie zur Therapie von Diabetes mellitus Typ 2 mit 247 Patienten erhielt die Hälfte der Probanden Insulin glargin (Injektion einmal täglich), die anderen einmal pro Woche ein Extrem-Langzeit-Insulin. Mit diesem sank der HbA1c insgesamt um 1,33; mit Insulin glargin um 1,15 Prozent – deutlich stärker als mit oralen Antidiabetika. APA/Lancet/New England Journal of Medicine

 

 

 

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 1-2 / 25.01.2021